Bisher keine Wolfsrisse in diesem Jahr

Der Quartalsbericht der Grossraubtiere zeigt: In diesem Jahr wurden noch keine Tiere vom Wolf gerissen. Aktuell leben elf Rudel im Kanton. Auch der Bär liess sich nicht blicken.

Der Quartalsbericht des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden von Januar bis März 2024 listet die Veränderungen gegenüber dem letzten Quartal 2023 wie folgt auf: 

Rudelsituation

Stagiasrudel:
Das Streifgebiet des Stagiasrudels erstreckt sich über die Gemeinden Disentis/Tujetsch/Medel (Lucmagn). Die Elterntiere des Rudels konnten bestätigt werden. Gemäss bisheriger Vermutung handelt es sich dabei um den aus dem Tessin zugewanderten Wolfsrüden M187 und der Stagias-Jungwölfin F105. In der Regulationsperiode 2023/2024 wurden im Streifgebiet des Stagiasrudels insgesamt vier Wölfe erlegt. Genetische Identifikation der erlegten Individuen haben gezeigt, dass es sich dabei um zwei Jungtiere (M414, M415) des Stagiasrudels (geb. 2023) und einen erstmals in der Schweiz nachgewiesenen Einzelwolf Wolf (M431) handelt. Von einem weiteren,
mutmasslichen Jungtier ist die genetische Identifikation noch ausstehend.

Beverinrudel:
Es ist nach wie vor unklar, um welche Elterntiere es sich bei den Welpen, welche die Wildhut am 23. Juli 2023 nachgewiesen hatte, handelt. In der Regulationsperiode 2023/2024 wurde ein männlicher Wolf (M125) und ein weiblicher Wolf (F154) erlegt. Bei M125 handelt es sich um den zugewanderten Leitwolf des früheren Stagiasrudels und das potenzielle Vatertier der letztjährigen Beverin-Welpen, der zum Zeitpunkt des Abschusses sein Senderhalsband nicht mehr getragen hat (siehe unter «Besenderte Wölfe»). Bei F154 handelt es sich um ein
weibliches Tier, wobei noch abzuklären ist, ob es zum Zeitpunkt des Abschusses zum Rudel gehörte oder als Einzelwolf im Gebiet unterwegs war. Seit der Regulation gibt es trotz gleichbleibendem Monitoring kaum mehr Nachweise von Wölfen im Streifgebiet und keine Nachweise für die Anwesenheit von mehr als zwei Tieren.

Valgrondarudel:
Das Territorium des Valgrondarudels umfasst das Gebiet südlich des Vorderrheins zwischen Disentis und Ilanz und erstreckt sich im Lugnez südlich über den Glenner hinaus. Nach Westen umfasst es Teile der Gemeinden Disentis und Medel (Lucmagn). In der Regulationsperiode 2023/2024 wurden zwei Jungtiere (F185, F188) und ein subadulter Wolf (F129) durch die Wildhut erlegt.

Vorabrudel:
Das Vorabrudel ist nach aktuellen Kenntnissen nördlich des Vorderrheins zwischen Waltensburg und Trin sowie südlich des Vorderrheins bei Valendas und Versam präsent. In der Regulationsperiode 2023/2024 wurden zwei Jungtiere (F196, F183) und ein subadulter Wolf (F143) des Vorabrudels erlegt.

Moesolarudel:
Das Territorium des Moesolarudels umfasst das Gemeindegebiet von Mesocco und – insbesondere im Winter – Soazza und Teile der Gemeinde Lostallo sowie – insbesondere im Sommer – Teile der Gemeinde Rheinwald. In der Regulationsperiode 2023/2024 wurden vier Jungtiere des Moesolarudels durch die Wildhut erlegt (F191, M390, M391, F195).

Lenzerhornrudel:
Das Gebiet des Lenzerhornrudels erstreckt sich nach aktueller Kenntnis über Teile der Gemeinden Scharans und Domleschg, das Hochtal der Lenzerheide, das Schanfigg südlich der Plessur bis zum Gebiet der Gemeinde Albula/Alvra nördlich des gleichnamigen Flusses. In der Regulationsperiode 2023/2024 wurden vier Wölfe durch die Wildhut erlegt: zwei Jungtiere (M394, F198) und zwei subadulte Wölfe (F157, M333). Bei M333 handelt es sich
jenen Wolf, welcher im Herbst 2023 in der Gemeinde Churwalden nachweislich
Herdenschutzmassnahmen umgangen hatte.

Muchettarudel:
Das Territorium des Muchettarudels erstreckt sich über das Gebiet der Gemeinden Bergün Filisur, Schmitten und im Süden der Gemeinde Davos bis Davos Monstein. Am 13. Januar 2024 musste die Leitwölfin des Muchettarudels, F11 (geb. 2013 im Calandarudel) aufgrund ihres schlechten körperlichen Zustandes durch die Wildhut erlegt werden. Mehrere Nachweise von maximal vier Wölfen im März 2024 weisen aber auf das Weiterbestehen des Rudels hin.

Calderasrudel:
Gemäss genetischer Nachweise dürfte sich das Territorium des Rudels ab ca. Mulegns beidseitig der Gelgia bis Tiefencastel und südlich der Albula zwischen Tiefencastel und Solis erstrecken. Bislang gelangen keine weiteren genetischen Nachweise die zur Klärung der Rudelzusammensetzung beitragen. Der letzte Nachweis des mutmasslichen Leitwolfes, M226 gelang im Sommer 2023, das Weibchen des Rudels ist nach wie vor nicht bekannt.

Glattwangrudel:
Anhand genetischer Nachweise ist bekannt, dass das Territorium des Glattwangrudels das Vorderprättigau südlich der Landquart bis etwa auf die Höhe von Klosters-Serneus sowie das Schanfigg nördlich der Plessur bis etwa Langwies umfasst. Im 1. Quartal 2024 gingen mehrere Hinweise über Sichtungen von mindestens zwei Wölfen ein.

Rügiulrudel:
Das Rügiulrudel bewegt sich nach aktuellen Kenntnissen südlich des Berninapasses auf dem Gebiet der Gemeinde Poschiavo sowie möglicherweise im angrenzenden Italien. Bislang gibt es keine genetische Identifikation der Leittiere. Im 1. Quartal 2024 konnten M387, ein mutmassliches Jungtier (geb. 2023) und ein weiteres männliches Tier, M428, nachgewiesen werden. Ob es sich bei M428 um ein Jungtier aus dem Rudel oder einen Einzelwolf handelt, ist noch unklar. In der Regulationsperiode 2023/2024 wurde ein Jungtier des Rudels (M403) durch die Wildhut erlegt.

Jatzhornrudel:
Das Territorium des Jatzhornrudels erstreckt sich über das gesamte Gemeindegebiet von Davos. Ein im Jahr 2023 geborenes Jungtier (F206) wurde am 9. Dezember 2023 vor Scuol  vom Zug erfasst und tödlich verletzt. Es handelt sich dabei um eine sehr frühe weiträumige Abwanderung eines Jungtieres von seinem Rudel. Ein weiteres Jungtier (M385, geb. 2023) wurde anfangs Januar 2024 während seiner Abwanderung im Gemeindegebiet Luzein
genetisch nachgewiesen.

Fuornrudel:
Das Fuornrudel bewegt sich von nördlich von Zernez bis ungefähr nach Lavin und östlich in Richtung des Ofenpasses bis ins Münstertal. Die Leittiere M312 und F98 konnten mittels genetischer Analysen bestätigt werden.

Wolfspaare und Einzelwölfe:
Auf dem Gebiet der Gemeinde Klosters wurden auch im 1. Quartal 2024 Spuren von mindestens zwei Wölfen gefunden. Das im September 2023 nachgewiesene männliche Tier, M307, wurde im Januar 2024 erneut genetisch nachgewiesen. Aufgrund der fehlenden Nachweise des seit 2021 ansässigen Rüden M184 ist unklar, ob dieser sich noch im Gebiet befindet. Der DNA-Nachweis eines weiblichen Tieres fehlt nach wie vor. Wie Ende August 2023, rund zwei Wochen nach dem Abschuss von F07 durch die Wildhut, entstanden am Calanda auch im 1. Quartal 2024 weitere Fotofallenbilder zweier Wölfe.

Ende letzten Jahres gelang der genetische Nachweis des aus dem Kärpfrudel stammenden Rüden, M286. Genetische Identifikationen des zweiten Wolfes fehlen bislang. Die Situation am Forcolapass im Misox ist aufgrund der schlechten Zugänglichkeit des Gebietes im Winter weiterhin unklar. Gemäss italienischen Behörden ist es möglich, dass es sich dabei um ein Rudel auf italienischem Boden handelt, welches Ausflüge auf die Schweizer Seite macht. Auf der Schweizer Seite gab es bislang keine Nachweise von mehr als zwei Tieren.

Ähnlich unklar ist die Situation im Gebiet der Kantonsgrenze Tessin/Graubünden südlich der Moesa. Fest steht, dass es sich bei den ortsansässigen Wölfen nicht mehr um die Gründertiere des Morobbiarudels handelt. Ein seit dem Frühjahr 2022 immer wieder nachgewiesener männlicher Wolf, M243, wurde anfangs 2024 erneut auf dem
Gemeindegebiet von Roveredo nachgewiesen. Im 1. Quartal 2024 gab es keine Nachweise von mehr als einem Wolf.
Im 1. Quartal 2024 gab es im Bergell mehrere Fotofallenbilder von zwei Wölfen, welche gemeinsam unterwegs sind. Ein männlicher Wolf, M304, konnte genetisch nachgewiesen
werden.

Im südlichen Avers gab es während der Wintermonate wenig Wolfsnachweise. Es ist deshalb unklar, ob sich das im letzten Jahr vermutete sesshafte Tier noch im Gebiet befindet. Im 1. Quartal 2024 gab es im Engadin zahlreiche Wolfsnachweise. Nebst dem Fuornrudel im Raum Zernez/Val Müstair gab es im Unterengadin vermehrt Sichtungen von mindestens zwei Wölfen, die zusammen unterwegs sind. Die beiden Wölfe sind genetisch nicht identifiziert. Ein weiblicher Wolf konnte mutmasslich auf der Abwanderung durch das Ober- und Unterengadin genetisch identifiziert werden. Genetische Analysen zur Klärung der Situation im Unterengadin sind noch ausstehend.

Im Oberengadin hält sich das mehrfach nachgewiesene männliche Tier, M339, immer noch im Gebiet auf. Filmaufnahmen von zwei Wölfen auf dem Gemeindegebiet S-chanf bestätigen das Vorkommen eines Wolfpaares, möglicherweise handelt es sich beim männlichen Tier um M339. Weiter gibt es im Raum Pontresina-Samaden-Bever Nachweise von zwei Wölfen. Es ist bislang unklar, ob es sich dabei um dieselben Individuen wie in S-chanf handelt. Auch hier werden die noch ausstehenden Genetikresultate zur Klärung der Situation beitragen dürfen.
Weiter konnten auf dem Gemeindegebiet von Luzein im 1. Quartal 2024 zwei Wölfe beobachtet werden. Weitere Nachweise zur Aufklärung der Situation fehlen jedoch.

Abgänge
Die ermittelten Abgänge beim Wolf im 1. Quartal 2024 beliefen sich auf ein Tier: Am 13. Januar 2024 musste die Leitwölfin des Muchettarudels, F11, infolge ihres schlechten körperlichen Zustandes und apathischen Verhaltens auf dem Gemeindegebiet von Albula/Alvra durch die Wildhut erlegt werden. Der pathologische Untersuchungsbericht ist noch ausstehend. Das Weibchen F11 wurde im Jahr 2013 im Calandarudel geboren.

Regulationsabschüsse
Im 1. Quartal 2024 wurden fünf Wölfe erlegt. 

Nutztierschäden durch Wölfe
Im 1. Quartal 2024 wurden keine Nutztierrisse verzeichnet.  Im 1. Quartal 2024 wurden dem Amt für Jagd und Fischerei (AJF) zwei Fälle von verhaltensauffälligen Grossviehherden gemeldet.

Besenderte Wölfe
Am 11. März 2024 gelang auf dem Gemeindegebiet Medel (Lucmagn) die Besenderung eines weiblichen Wolfs des Stagiasrudels. Die genetische Identifikation dieses Wolfes ist noch ausstehend.

Am 19. Februar 2024 wurde am Heinzenberg ein GPS-Halsband durch eine Privatperson gefunden. Der schon länger ausgefallene Sender stammt von M125, dem ehemaligen Leitwolf des Stagiasrudels, welcher Anfang 2023 vom Stagiasrudel in das Gebiet des Beverinrudels gewechselt hatte. Der Sender wurde noch im 2023 durch einen automatisch ausgelösten Löse-Mechanismus abgeworfen. M125 wurde im Rahmen der Wolfsregulation
des Beverinrudels Ende letzten Jahres erlegt.

Besondere Vorkommnisse
Auf dem Gemeindegebiet Zernez kam es im 1. Quartal 2024 zu Sichtungen eines Wolfs. Gemäss den Augenzeugen verweilte das Tier gegenüber Hundespaziergängern auf einer Distanz von 30-50 Metern zur Person und entfernte sich nur verzögert. Durch die unmittelbare Meldung an die Wildhut konnte diese den Wolf mittels Vergrämungsschüssen vertreiben. Auf dem Gemeindegebiet Valsot, nahe der Grenze zu Österreich, wurde im 1. Quartal 2024 ein Wolf beobachtet, als er am Morgen vom Inn her durch Häusergassen auf die andere Talseite wechselte.

Bär
Im 1. Quartal 2024 gingen beim Amt für Jagd und Fischerei keine gesicherten Bärennachweise ein.

Luchs
Insgesamt gingen im 1. Quartal 2024 ca. 240 Luchsnachweise ein. Der Grossteil der Hinweise stammt aus den Verbreitungsgebieten Calanda, Surselva, Safiental, Heinzenberg, Schamserberg, der Gemeinde Rheinwald sowie dem Bergell und dem Unterengadin. Am 18. März 2023 wurde in der Gemeinde Disentis/Mustér ein stark abgemagerter Jungluchs tot aufgefunden. Wenige Tage zuvor war der Jungluchs tagsüber in Siedlungsnähe beobachtet worden. Das Tier wurde zur pathologischen Untersuchung an das Institut für Fisch- und Wildtiergesundheit der Universität Bern überführt. Nutztierrisse durch Luchse wurden im 1. Quartal 2024 keine verzeichnet.

Goldschakal
Im 1. Quartal 2024 gingen fünf bestätigte Goldschakalnachweise ein. Drei der Nachweise stammen aus dem Engadin, deren zwei aus der Surselva. Weitere drei Nachweise aus dem Raum Davos und dem Unterengadin konnten nicht überprüft oder bestätigt werden.

(Bild: Archiv GRHeute)