Plattenkritik: Liricas Analas liefern Soundtrack zur Sommerfigur

Eigentlich habe ich es für den Moment satt, CD-Reviews zu schreiben. Die CDs, über die ich noch schreiben muss, stapelten sich in den letzten paar Wochen zu einem regelrechten Turm. Da hatte ich mir etwas vorgenommen, denn CD-Kritiken zu schreiben, beansprucht immer deutlich mehr Zeit als ein kurzes Interview oder eine kleine Story. Und doch wollte ich nie jemanden benachteiligen, respektive den Tonträger nicht wirklich durchhören. Aus grosser Sympathie für die Liricas, im Zusammenspiel mit meinen recht bescheidenen Romanisch-Kenntnissen liess ich so die CD «Banalitad» relativ lang anstauben, was ich nun doch ein klein wenig bereue beim Durchhören.

Gleich die ersten zwei Songs des Albums «La Clav» und «Dar Il Maun» sind regelrechte Hits, die sofort in die Hüften schiessen und zum Tanzen animieren. Allgemein darf man sagen, dass die Liricas Analas hier ihren Weg mit tanzbarem Hip Hop ohne Kompromisse weiterverfolgen und hörbar viel Spass daran haben, jedes Konzert in ein rauschendes Fest zu verwandeln.

Erstmals in eine ruhigere, nachdenklichere Kerbe schlägt der Song «I Ei Bien», den ich trotz grossem Text-Manko irgendwie verstehe. Somit kommen wir gleich zur grössten Stärke der Liricas: Die Herren Jusht, Flepp und Orange erschaffen in ihren Lieder Gefühlswelten, die universell verständlich sind, auch für Personen, die noch nie ein Wort Romanisch gehört haben. Bei den englischen Songs, die uns täglich via Radio und/oder TV berieseln, sind wir uns ja gewohnt, nicht immer alles zu verstehen. Doch den Dienst, den die Romanen ihrer Muttersprache mit jedem Lied erweisen, ist unbezahlbar. Ich persönlich fühle mich bei gewissen Tracks auf dem Longplayer emotional so berührt, dass mich die Geschichte hinter dem Track so dermassen interessiert, dass ich gleich doppelt so genau hinhöre und versuche, Textfetzten zu interpretieren.

«Bumba» erinnert mich spontan an den Song «Brett» von Breitbild, was die Klasse der beiden legendären Acts zeigt und die Messlatte für andere Acts verdammt hoch legt. Anders als Breitbild, welche mit dem neuen Album den Mix aus Samples und Bandsound zelebriert haben, lassen die Liricas vor allem elektronische Elemente aus den Boxen schallen. Sie haben in ihrem Disco-Rap eben ihr eigenes Metier gefunden und perfektionieren dies mit jeder neuen Veröffentlichung. Richtig cool finde ich jedoch die kleinen Ausbrecher aus dem tanzbaren Sound, wie beispielsweise das Saxophonsolo im Track «Ei ha Num», ganz grosses Kino!

Gegen Schluss des Longplayers werden die Beats hin und wieder ein weniger komplexer, moderner und relativ freakig, was der Hörfreude jedoch keinen Abbruch bereitet, sondern für eine angenehme Abwechslung sorgt. Der letzte Track «Ier ed Oz» beruft sich dann nochmals kurz auf die Wurzeln der Jungs und lässt ein klein wenig in Nostalgie schwelgen.

Analas

Fazit: Die Liricas Analas haben mit ihrem neuen Album den Sommer endgültig eingeläutet und laden zu heissen Disconächten. Anders als auf den Vorgängerwerken haben sie auf das neue Werk «Banalitad» keine Tiefpunkte oder gar zu viele Experimente gepackt. Der neue Longplayer zeigt die Liricas in Höchstform, mit ihrem Discorap, wie auch in nachdenklicheren, ruhigeren Songs. Die Band gibt den roten Faden nie aus der Hand und schafft so einen runden Tonträger, der top produziert wurde, interessante Gäste beinhaltet, die romanische Sprache wieder ein Stück interessanter macht und zugleich mächtig Bock auf die zukünftigen Konzerte der Jungs macht.

Das Album «Banalitad» ist am 8. Mai 2016 auf Platz 17 der Schweizer Hitparade eingestiegen. Wir von GRHeute gratulieren herzlich!

Mehr Informationen unter www.liricas.ch

 

(Bild: zVg.)