2015: Fünf «problematische» Begegnungen mit dem Wolf

Der WWF und Pro Natura haben noch nicht entschieden, ob sie den Abschuss von zwei Jungwölfen des Calanda-Rudels anfechten wollen. Viel bringen würde es nicht: Laut dem Kanton St. Gallen hätte eine Beschwerde keine aufschiebende Wirkung. Grund: Die Wolfsbegegnungen wurden 2015 immer problematischer.

Dass vor allem die Jungwölfe des Calandarudels immer dreister werden, ist nichts Neues. So wurden 2015 nicht weniger als 13 auffällige, 17 unerwünschte und 5 problematische Wolfsbegegnungen protokolliert. Einige Beispiele:

  • In Trin hetzten im Februar drei Wölfe ein Reh aus dem nahe gelegenen Wald zwischen die Häuser und töteten es. Als sie gestört wurden, liessen sie das gerissene Reh vor einem Hauseingang liegen. Später versuchte einer der Wölfe zur Beute zurückzukehren.
  • Mitte Juli döste ein Wolf in Flims auf einer Wiese an der Sonne, wo zwei Kinder spielten. Erst als der Vater der Kinder den Wolf verscheuchte, machte er sich in 10-12 Meter Entfernung in die Büsche davon.
  • Im st. gallischen St. Margrethenberg näherte sich ein Wolf einem Bauernhof mit Restaurationsbetrieb. Nur zögerlich liess er sich von Zurufen des Bauern vertreiben.
  • Im Oktober griffen vier bis fünf Jungwölfe auf dem Maiensäss Valenserberg erstmals ein neugeborenes Kalb an und rissen es. Das war der erste Angriff der Calanda-Wölfe auf Grossvieh, nachdem sie sich bisher mit Schafen und Ziegen zufrieden gegeben hatten.
  • In Vättis wurde mehrfach beobachtet, wie Wölfe abends um die Häuser am Dorfrand schlichen. Ausserdem wurde er gemäss Online-Bericht der schwäbischen Zeitung «an einer Bushaltestelle» gesehen, «vor einem Stall» und «abends auf dem Heimweg».

Diese Ereignisse hatten im Dezember zur Abschussbewilligung des Bundesamtes für Umwelt geführt. Die Jungwölfe dürfen dabei nur in Siedlungsnähe abgeschossen werden, und es müssen mindestens zwei Jungtiere anwesend sein. Dadurch sollen die Wölfe wieder menschenscheu gemacht werden. Ob – bei den genannten Beispielen zu bleiben – die Wölfe in Flims überhaupt mitbekommen, wenn zwei Wölfe beispielsweise in Vättis geschossen werden, bleibe dahingestellt. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen allerdings, dass Vergrämungsaktionen bei Wölfen grundsätzlich gute Chancen haben.

Abschüsse unverzüglich durchführen

Ob die Umweltschutzorganisationen Beschwerde einlegen oder nicht: Das bewilligte Zeitfenster für die Abschüsse bis März 2016 bleibt geöffnet. Der Kanton St. Gallen will die Abschüsse unverzüglich durchführen und gab gestern zu verstehen, dass Beschwerden keine aufschiebende Wirkung hätten. Zuständig sind die Verwaltungsgerichte der beiden Kantone. In St. Gallen läuft die Beschwerdefrist bis zum 18. Januar, in Graubünden bis Ende Januar.

Auch in Süddeutschland schaut man auf den Calanda

Mittlerweile haben die Calanda-Jungwölfe auch in Süddeutschland für Aufsehen gesorgt, wie die Schwäbische Zeitung im bereits erwähnten Online-Artikel berichtete. Letztes Jahr wurden zwei Calanda-Wölfe in Baden Württemberg überfahren, auch in anderen Regionen wie im Kanton Zürich wurden schon junge Wölfe aus Graubünden gesichtet. Das Problem sei, dass ein Rudel jährlich um bis zu fünf Junge wachse. Und Nachwuchs-Rüden neigten dazu, auf der Suche nach einem eigenen Revier vom Calanda in neue Gegenden vorzudringen.

 

(Symbolbild: Pixabay)