Josias Gasser abgewählt – BDP verliert 6%

In einem Fotofinish fängt die SVP mit Magdalena Martullo-Blocher die Mitte-Parteien ab und holt sich den Sitz von Josias Gasser (GLP), der aus dem Nationalrat abgewählt wird.

Wer hätte das gedacht? In einem Fotofinish fängt die SVP die Mitte-Koalition von FDP, CVP und BDP um den verlorenen Sitz des Grünliberalen Josias Gasser ab und holt sich einen zweiten Sitz. Neben SVP-Spitzenkandidat Heinz Brand, der das beste Resultat aller KandidatInnen erzielte, sichert sich auch Parteikollegin Magdalena Martullo-Blocher einen Sitz im Parlament.

Martullo-Blocher: «Das ist eine Verpflichtung»

«Ich kann’s nicht fassen», jubelte Martullo-Blocher in einer ersten Reaktion, «ich bin heute klar mit der Vorstellung hierher gekommen, das es nicht klappen wird. Plötzlich ist es aber immer näher gekommen. Das ist unglaublich.» Martullo-Blocher tritt damit definitiv in die Fussstapfen ihres berühmten Vaters. «Das ist eine Verpflichtung, ein Auftrag, und ich nehme das sehr ernst. Aber zuerst einmal freue ich mich heute für die SVP. Jeder hat gearbeitet, Stimmen geholt. Dass wir es jetzt trotz der Listenverbindung der Mitte geschafft haben, ist sensationell.» Sie sei sehr überrascht und müsse der Bevölkerung gratulieren, dafür, dass sie mehr an Lösungen interessiert gewesen seien als an der Frage, ob sie nun Bündnerin oder Zürcherin sei. «Ich freue mich, Einfluss auf eine bessere Politik in Bern nehmen zu können», so die Unternehmerin, «wir haben mit einem vergleichsweise kleinen Budget gearbeitet. Wir machten ja nur kleine Inserate und hatten ein paar Plakat, die wir auch teilweise selber aufgehängt haben. Mir war wichtig, in die Täler zu gehen, damit die Leute mich auch persönlich kennenlernen konnten. Ich glaube, ich bin gut gerüstet für das Amt.»

Jon Pult wieder knapp nicht gewählt

Die SVP-Koalition legt um 5.2% Prozent zu und gewinnt damit den Sitz des Grünliberalen Josias Gasser, der nach vier Jahren im Parlament abgewählt wird. «Wir wussten, dass es schwierig wird», so Gasser gegenüber Radio Südostschweiz, «jetzt ists halt auf die andere Seite gefallen. Wir sind halt noch eine junge Partei und noch nicht so breit aufgestellt. Daran müssen wir arbeiten». Gewählt sind der bisherige CVP-Kandidat Martin Candinas, Duri Campell (BDP, neu) und die bisherige Silva Semadeni (SP), die ihren Parteikollegen Jon Pult mit knapp 500 Stimmen distanziert. «Es ist nur ein Teil der Bevölkerung, die SVP wählt», so Pult gegenüber Radio Südostschweiz, «sie sind zum Glück noch weit weg von der Mehrheit. Aber die SVP ist stark, und das macht mir auch Angst.»

Duri Campell neu im Nationalrat

Die BDP verliert am meisten Stimmen aller Parteien: Gegenüber 2011 verliert die BDP 28% an Stimmenzahlen – 16844 Stimmen – und ist in der Partei-Hierarchie hinter CVP und SP auf Platz 4 zurückgerutscht. Im Gesamtergebnis verliert sie 6%. «Das Ergebnis zeigt auf, dass die Denk- und Werthaltung der BDP bei den Bündnerinnen und Bündnern einen beachtlichen Rückhalt geniesst», schreibt die BDP in einer Medienmitteilung. Der neu gewählte Duri Campell ist trotz des schwachen Resultats ebenfalls zufrieden. Gegenüber Radio Südostschweiz sagte der Engadiner: «Es freut mich riesig, ich habe immer ein bisschen gehofft. Intern war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch das Ergebnis ist ok. Wenn ich schaue: Minus 6 Prozent, aber alle KandidatInnen mit guten Resultaten. Und wenn man sieht, wie viel wir wegen des Rücktritts Hansjörg Hasslers verloren haben, dann bin ich mit dem Resultat eigentlich zufrieden.»

«Freue mich für Frau Martullo-Blocher»

SVP-Spitzenkandidat Heinz Brand, der wie schon 2011 das beste Ergebnis der KandidatInnen erzielte, meinte gegenüber GRHeute: «Es ist sehr schön. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es unglaublich. So gegen 14 Uhr dachte ich langsam, es könnte klappen. Wir haben kontinuierlich zugelegt. Mein Resultat freut mich natürlich, aber noch mehr freut mich das Resultat für die Partei und für Frau Martullo-Blocher. Wir ziehen alle am gleichen Strick und teilen den Erfolg. Das ist eine gemeinsame Freude.» Gemäss Brand sei es entscheidend gewesen, nicht nur auf das Thema Flüchtlingspolitik zu setzen. «Wir haben bewusst Wirtschaftsthemen im Wahlkampf in den Fokus gerückt» so der SVP-Politiker, «die Bündner Bevölkerung hat die wirtschaftliche Perspektive für Graubünden in den nächsten Jahren erkannt und gemerkt, dass es höchste Zeit ist. Aber natürlich erhalten Migrationsthemen national nun auch eine andere Relevanz.»

 

Die Resultate

Listenverbindungen:

Liste2

KandidatInnen:Liste

Liveticker

13.45 Uhr: Die dritte Hochrechnung

Nach 112 von 126 Gemeinden: Folgende Vertreter sind gewählt: Brand SVP, Campell BDP, Candinas CVP Wahrscheinlich gewählt: Semadeni SP, Michel FDP Wahrscheinlich abgewählt: Gasser GLP Aufgepasst: Die SVP liegt nur noch etwa 600 Stimmen hinter einem möglichen zweiten Sitz. Wie wählt Chur? Kommt es auch in der Hauptstadt zu einem Rechtsrutsch zugunsten der SVP, könnte Magdalena Martullo-Blocher tatsächlich als zweite SVP-Vertreterin gewählt werden. Bei der SP braucht Jon Pult ein «Über-Resultat» in Chur, ansonsten wird er erneut knapp nicht gewählt.

Mitte (CVP, BDP, FDP):

Total 99’183 46.25%

SVP:

Total 65’635 30.60%

GLP-SP:

Total 49’652 23.15%

12.45 Uhr: Die zweite Hochrechnung

Nach 96 von 126 Gemeinden: 13.20 Uhr Die Analyse Folgende Vertreter sind gewählt: Brand SVP, Campell BDP, Candinas CVP Wahrscheinlich gewählt: Semadeni SP, Michel FDP Wahrscheinlich abgewählt: Gasser GLP Parteien:

  • SVP: 52436 Stimmen (30%)
  • CVP: 31386 Stimmen (18%)
  • SP: 27963 Stimmen (16,1%)
  • BDP: 26404 Stimmen (15,2%)
  • FDP: 22807 Stimmen (13,1%)
  • GLP: 12684 Stimmen (7%)

Koalitionen:

  • Mitte (FDP-CVP-FDP): 80597 Stimmen 46,41%
  • SVP 52436 Stimmen 30,19%
  • SP-GLP: 40647 Stimmen 23,40%

Kandidaten:

  1. Heinz Brand 13597 Stimmen
  2. Martin Candinas CVP 13405 Stimmen
  3. Magdalena Martullo-Blocher 11268 Stimmen
  4. Duri Campell BDP 8189 Stimmen
  5. Silva Semadeni SP 8141 Stimmen
  6. Jon Pult SP 7475 Stimmen
  7. Josias Gasser GLP 7266 Stimmen
  8. Andreas Felix BDP 5240 Stimmen
  9. Valérie Favre Accola SVP 4542 Stimmen
  10. Livio Zanolari SVP 4039 Stimmen
  11. Beatrice Baselgia SP 3855 Stimmen
  12. Silvia Casutt FDP 3845 Stimmen
  13. Elisabeth Mani-Heldstab BDP 3724 Stimmen
  14. Hanspeter Michel FDP 3385 Stimmen
  15. Michael Pfäffli FDP 3284 Stimmen

12.20 Uhr Erste Analyse

  • Die SVP macht das Spitzenergebnis, holt wahrscheinlich über 28%
  • Das Mitte-Lager macht wahrscheinlich 45%, holt somit drei Sitze
  • Die SP-GLP-Fraktion holt gegen 27%, verliert aber den Sitz von Josias Gasser
  • Die BDP verliert möglicherweise über 6% in Graubünden gegenüber den letzten Wahlen

Gewählt wählen:

  • Heinz Brand SVP
  • Martin Candinas CVP
  • Duri Campell BDP

Wahrscheinlich gewählt werden:

  • Michael Pfäffli oder Hanspeter Michel, je nach Ausgang in den grossen Gemeinden Davos und Chur (Vorteil Pfäffli)
  • Silva Semadeni oder Jon Pult, je nach Wahlausgang in Chur (Vorteil Semadeni)

12.00 Uhr Die ersten Zahlen sind da. Mit einigen Überraschungen: Folgend die bisherigen Top 10:

  1. Heinz Brand 5724 Stimmen
  2. Martin Candinas CVP 5076 Stimmen
  3. Magdalena Martullo-Blocher 4912 Stimmen
  4. Duri Campell BDP 4190 Stimmen
  5. Silva Semadeni SP 4068 Stimmen
  6. Jon Pult SP 3757 Stimmen
  7. Josias Gasser GLP 3658 Stimmen
  8. Andreas Felix BDP 2798 Stimmen
  9. Michael Pfäffli FDP 1912 Stimmen
  10. Valérie Favre Accola SVP 1826 Stimmen
  11. Hanspeter Michel FDP 1697 Stimmen
  12. Beatrice Baselgia SP 1688 Stimmen

Stimmen nach Parteien/Koalitionen:

  1. SVP 22504 Stimmen
  2. Mitte (BDP/CVP/FDP) 36812 Stimmen
  3. SP-GLP 20177 Stimmen

Vorschau

In der letzten Analyse sind wir von folgenden Resultaten ausgegangen.

  • die CVP verteidigt ihren Sitz von Martin Candinas souverän
  • auch die SVP kann ihren Sitz von Heinz Brand behaupten
  • die BDP verteidigt den Sitz des zurückgetretenen Hansjörg Hassler und schickt Duri Campell nach Bern
  • die SP verteidigt den Sitz von Silva Semadeni. Es ist allerdings gut möglich, dass die Bisherige vom jungen Churer Jon Pult überholt und in Bern abgelöst wird. Das ist die eine grosse Frage für den Sonntag.
  • Die zweite grosse Frage betrifft den fünften Bündner Sitz im Parlament. Die grösste Chance hat die FDP mit Angela Casanova-Maron oder Alt-Standespräsident Hanspeter Michel. Ebenfalls mit einer Wahl liebäugeln können die BDP-Vertreter Elisabeth Mani-Heldstab oder Andreas Felix (GRHeute-Wahrscheinlichkeit: 30%). Wahlchancen haben auch der Zweitplatzierte aus dem linken Trio Semadeni, Pult und dem Bisherigen Gasser, der dieses Jahr allerdings viele Stimmen aus der Mitte verlieren wird und dem die Abwahl droht (Wahl-Wahrscheinlichkeit: 15%). Unwahrscheinlich ist, dass die Zweitplatzierte in der SVP, entweder Magdalena Martullo-Blocher oder Valérie Favre-Accola (GRHeute-Wahrscheinlichkeit: 10%), gewählt werden.

 

 

Für Spannung ist heute auf jeden Fall gesorgt. Gerne verweisen wir unsere Besucher auch auf die drei Social Streams, die wir eingerichtet haben und die natürlich laufend aktualisiert werden.