Für manche gilt Künstliche Intelligenz als Lösung für die Probleme der Menschheit, für andere als Horrorvision. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT vor drei Jahren ist das Thema wieder in aller Munde, und das, obwohl bereits seit Jahrzehnten zu dem Thema geforscht wird.
Steht die Zukunft schon fest?
Schon vor elf Jahren entwickelte der Philosoph und Professor an der Universität von Oxford, Nick Bostrom ein Szenario einer künstlichen Superintelligenz und beschrieb dessen Entwicklung und Fähigkeiten in allen Details im Sachbuch „Superintelligenz“. Was damals als Horrorszenario abgetan wurde, erscheint heute bei weitem nicht mehr so unrealistisch wie im Jahr 2014.
Doch so weit muss man gar nicht gehen, um die Ängste vieler Menschen zu beschreiben. Schließlich gilt künstliche Intelligenz auch als Arbeitsplatzkiller. Doch dieses Argument verfolgt Befürworter disruptiver Innovationen bereits seit der industriellen Revolution, also seit rund 200 Jahren. Jede technische Revolution fegte bisher Arbeitsplätze weg und schuf gleichzeitig neue. Doch nie zuvor sah sich die Menschheit einer disruptiven Kraft wie einer künstlichen Intelligenz gegenüber, die sämtliche Arbeitswelten auf den Kopf stellen könnte.
Dramatischer Umbruch in der Arbeitswelt befürchtet
Immerhin sind diesmal nicht nur niedrig qualifizierte Arbeitsplätze in Gefahr, sondern erstmal auch jene, die über eine umfassende Ausbildung verfügen. Rechtsanwälte könnten davon ebenso betroffen sein, wie Ärzte, Finanzspezialisten oder Künstler. Sie alle verfolgen die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz mit Unbehagen und fragen sich, was die Zukunft bringen könnte.
Längst Bestandteil des Alltags
Schon heute findet künstliche Intelligenz ihren Einsatz in vielen Bereichen des Alltags. Ob als Sprachassistent, bei personalisierten Empfehlungen während des Online-Shoppings, bei selbstfahrenden Autos, oder bei Chatbots. Die Technologie erscheint schon jetzt allgegenwärtig. Vor allem wenn es darum geht, enorme Datenmengen zu sammeln und zu durchforsten, kommt man an künstlicher Intelligenz nicht mehr vorbei.
Das zeigt sich hauptsächlich bei der Personalisierung. Wer im Netz eine Datenspur hinterlässt, wird automatisch gläsern. Das nutzen große Shopping-Portale ebenso für sich wie Online-Casinos. Selbst in der Schweiz, in der das Glücksspiel strengen Regulierungen unterliegt, bauen Anbieter auf die Nutzerdaten. Wer Spielautomaten online spielt, zeigt automatisch, welche Form von Unterhaltung er bevorzugt, und wird zukünftig entsprechende Empfehlungen erhalten, die genau darauf aufbauen. Nicht umsonst verweisen Spielerschützer auch auf den Datenschutz. Dieser ist schließlich der „Schlüssel zum Kunden“.
Dieser kann im schlimmsten Fall auch Kriminellen dazu dienen, ein Unternehmen zu erpressen. Dies musste erst vor wenigen Tagen die Grand Casino Baden AG erfahren. Ihre Beteiligung, die Gamanza Group in Schweden, wurde gehackt. Dabei gelangten Nutzerprofile in die Hände der Erpresser. Datensicherheit erweist sich also einmal mehr als unumgänglich.
Wann wird es so weit sein?
Doch in der Definition von künstlicher Intelligenz unterliegen die meisten einem Irrtum. Das, was die Menschheit heute als Einsatz von KI erlebt, entspricht noch lange nicht deren Definition. Künstliche Intelligenz arbeitet heute mit statistischen Modellen und errechnet Wahrscheinlichkeiten. Sie ist in ihren Fähigkeiten jenen von Menschen noch immer weit unterlegen.
Die Einschätzung von Experten, wann es so weit sein könnte, dass künstliche Intelligenz das Niveau des Menschen erreicht, variiert daher stark. Die Prognosen reichen dabei von 10 Jahren über 20 Jahre, bis zu niemals.
Doch aus der Science-Fiction vergangener Tage ist ein mögliches Szenario geworden. Demis Hassabis vom Unternehmen DeepMind glaubt weiterhin, dass sich die Menschheit voll im Zeitplan befinden würde. Er rechnet damit, dass die Schwelle zur echten Künstlichen Intelligenz in bis zu zehn Jahren erreicht sein könnte. Dann könnte eine echte künstliche allgemeine Intelligenz Realität werden. Er definiert diese als ein System, das die Fähigkeit besitzt, alle kognitiven Fähigkeiten zu zeigen, die Menschen haben.
Heute gehört DeepMind zum Imperium von Google. Deren Gründer hofft, dass eine echte künstliche Intelligenz eines Tages die Probleme der Menschheit lösen wird. Dazu zählen nicht nur die Heilung von Krankheiten, sondern auch eine exponentiell ansteigende Entwicklung neuer Technologien. Dazu könnten neue Energiequellen ebenso gehören, wie die Automatisierung von Logistik und jenen Tätigkeiten, die für Menschen zu gefährlich sind.
Die Risiken werden immer sichtbarer
Doch die Risiken einer solchen Entwicklung bleiben bestehen. Einerseits sind sie in sogenannten böswilligen Akteuren, und andererseits in der nicht möglichen Kontrollierbarkeit durch die Erfinder zu suchen. Schon Nick Bostrom beschrieb diese in seinem Bestseller „Superintelligenz“ wie folgt:
„Der Unterschied zwischen einer künstlichen Superintelligenz und einem intelligenten Menschen ist nicht so groß wie zwischen einem ungebildeten Bauern und einem Akademiker. Er ist so groß wie zwischen einem Regenwurm und Albert Einstein.“ Bostrom geht davon aus, dass eine künstliche Intelligenz, die in der Lage ist, sich selbstständig weiterzuentwickeln, innerhalb kürzester Zeit Sphären erreicht, die für den Menschen unerreichbar bleiben.
Doch noch ist es nicht so weit. Die derzeitigen Systeme sind weit von diesen Szenarien entfernt. Doch Politik wie Gesellschaft haben bereits erkannt, welche Richtung die rasante Entwicklung von KI nehmen könnte, und versuchen, diese in sichere Bahnen zu lenken. Wissenschaftler fordern, dass sich die Gesellschaft auf kommende Veränderungen vorbereitet, um nicht von den Möglichkeiten überrumpelt zu werden. Befürworter glauben hingegen an ein goldenes Zeitalter, das der Menschheit eine enorme Fülle an Möglichkeiten bieten wird.
(Bild: Künstliche Intelligenz: Quantensprung oder Dystopie? Quelle: Pixabay.com)

