Andri Ragettlis ungelöstes Olympia-Rätsel

Andri Ragettli verpasst die ersehnte Olympia-Medaille erneut nur hauchdünn. Der 27-jährige Bündner klassiert sich im Slopestyle-Final von Milano Cortina 2026 auf dem vierten Rang und erlebt damit ein bitteres Déjà-vu. Wie schon vor vier Jahren in Peking liegt Ragettli vor dem letzten Run auf Platz vier, muss alles riskieren – und scheitert erneut am entscheidenden Versuch.

Dabei beginnt der Wettkampf vielversprechend. Mit 78,65 Punkten im ersten Run setzt sich der Medaillen-Kandidat zunächst an die Spitze. Doch die Konkurrenz legt nach. Vor dem finalen Durchgang ist klar: Ragettli braucht eine Steigerung, um noch auf das Podest zu springen. Der Druck ist enorm, der Grat zwischen Erfolg und Enttäuschung schmal.

Im letzten Run patzt der Flimser bereits in der Rail-Section. Schnell wird deutlich, dass seine Punktzahl nicht reichen wird, um die Medaillenränge anzugreifen. Sichtlich enttäuscht fährt Ragettli den Run zu Ende, verschwindet danach rasch aus dem Zielraum. Die Olympiamedaille ist weg – schon wieder.

An der Spitze geht es äusserst knapp zu und her. Die Top 3 sind lediglich durch 1,13 Punkte getrennt. Gold sichert sich der Norweger Birk Ruud mit 86,28 Punkten aus dem ersten Run. Der Amerikaner Alex Hall folgt mit 85,75 Zählern auf Rang zwei, Bronze geht an den Neuseeländer Luca Harrington (85,15). Ragettli bleibt nur Platz vier – mit deutlichem Abstand zu den Medaillen, aber dennoch mit dem schmerzhaften Gefühl des Scheiterns.

Die Beziehung zwischen Ragettli und Olympia bleibt kompliziert. 2018 in Pyeongchang wurde er Siebter, 2022 in Peking Vierter – nun erneut Vierter. Für einen Athleten seines Kalibers, Weltmeister, Gesamtweltcupsieger, X-Games-Champion und Social-Media-Star, ist das eine schwer verdauliche Bilanz. Das eine Puzzleteil in seiner glanzvollen Karriere fehlt weiterhin: olympisches Edelmetall.

Nach dem Wettkampf zeigte sich Ragettli emotional. «Sportlich ist es extrem bitter», sagte er offen gegenüber SRF. Gleichzeitig versuchte er, Positives mitzunehmen: «Ich kann stolz sein auf die ganze Arbeit, die ich investiert habe. Und ich kämpfe weiter.» Besonders berührend seine Worte über seinen verstorbenen Vater: «Ich wollte meinen Vater im Himmel stolz machen. Heute war es nur der vierte Platz. Aber ich glaube, er ist trotzdem stolz auf mich.»

Ragettli versteckt seine Enttäuschung nicht. «Es ist extrem hart. Es ist okay, dass ich jetzt traurig bin», sagt er. Olympia bleibt für den Perfektionisten ein schmerzhafter Prüfstein – und doch gibt der Bündner nicht auf. Sein Kampf um die Medaille geht für den 27-Jährigen weiter.

 

(Bilder: SRF)