Davos als Bühne für den Streit um Grönland

Wenn am Montag das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos beginnt, treffen sich rund 3000 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in einem Umfeld, das kaum angespannter sein könnte. Die Krisenherde reichen von Iran über die Ukraine bis Venezuela und den Nahost-Konflikt – doch ein Thema sticht in diesem Jahr besonders heraus: Grönland. Die arktische Insel wird in Davos zum Symbol dafür, wie eng Machtpolitik, Sicherheit und wirtschaftlicher Druck inzwischen miteinander verflochten sind.

Zum Hotspot wird Davos auch wegen eines Gastes: US-Präsident Donald Trump. Am Mittwochnachmittag will er im Kongresszentrum sprechen. Doch mindestens so wichtig wie seine Rede dürften die Gespräche abseits der Bühne werden. Das Forum ist mit seinen vielen kleinen Sitzungsräumen wie geschaffen für diskrete Treffen. Gerade in Zeiten, in denen offene Diplomatie oft blockiert ist, verlagert sich Politik in solche geschützten Räume.

Die Grönlandfrage gilt als Zündstoff, weil sie einen Konflikt innerhalb des westlichen Bündnisses auslösen könnte. In Europa wächst die Sorge, dass ein harter Kurs Washingtons die Nato schwächen würde. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez warnte, eine US-Invasion in Grönland würde Russlands Präsident Wladimir Putin «zum glücklichsten Mann der Welt machen», weil sie den Angriff auf die Ukraine indirekt legitimieren könnte. In Brüssel wird deshalb nicht nur über Grönland diskutiert, sondern über die Stabilität der gesamten Sicherheitsarchitektur Europas.

Grönland selbst versucht, sich als eigenständiger Akteur zu positionieren. Wirtschaftsministerin Naaja Nathanielsen dankte europäischen Staaten für ihre Unterstützung und sprach von «aussergewöhnlichen Zeiten», die Mut erforderten. Hinter dieser Botschaft steht ein klares Signal: Die Insel will nicht länger nur Objekt geopolitischer Interessen sein, sondern selbst mitbestimmen – gerade bei Rohstoffen und Energie.

Auch die EU sucht nach einer Antwort, ohne sofort zu eskalieren. Als möglich gilt, dass sie zunächst mit dem Anti-Coercion-Instrument droht, einem neuen Mittel gegen wirtschaftliche Zwangsmassnahmen. Damit könnten Vergeltungszölle oder Einschränkungen für US-Unternehmen verbunden sein. Gleichzeitig könnte die EU Teile eines jüngst geschlossenen Zollabkommens auf Eis legen. Davos wird so zur Bühne, auf der Druck aufgebaut wird, während die Türen für Verhandlungen offen bleiben.

Für die Schweiz hat das Treffen ebenfalls Gewicht: Im Hintergrund laufen Gespräche über ein Zollabkommen mit den USA, das bis Ende März formell stehen soll. Bundespräsident Guy Parmelin trifft Trump, während auch US-Finanzminister Scott Bessent sowie weitere Schlüsselpersonen aus Trumps Umfeld in Davos erwartet werden.

Neben Trump reisen zahlreiche weitere Spitzenpolitiker an: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie Regierungschefs aus Deutschland, Kanada und Spanien. Aus der Ukraine kommt Präsident Wolodymyr Selenskyj. Im Nahost-Dossier sind Israels Präsident Isaac Herzog und Mohammed Mustafa, Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, angekündigt, ebenso die Regierungschefs von Katar und Ägypten. Auffällig ist auch die Teilnahme des syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa. Insgesamt sind Delegationen aus rund 130 Ländern dabei.

Das Sicherheitsaufgebot ist entsprechend hoch, ebenso die Protestbereitschaft. Doch trotz aller Spannungen hält das WEF an seinem Leitsatz fest: «A Spirit of Dialogue». Ob dieser Geist in Davos reicht, um einen Streit wie jenen um Grönland zu entschärfen, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

 

(Bilder: Wikimedia/zVg.)