Armon Orlik kürt sich in Mollis zum Schwingerkönig!

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 in Mollis wird als ein Fest der Dramatik, der Diskussionen und der grossen Emotionen in die Annalen eingehen. Am Ende stand einer im Zentrum: Armon Orlik. Der 30-jährige Bündner erfüllte sich im Glarnerland den Traum vom Königstitel – auf eine Weise, wie sie noch nie zuvor vorgekommen war.

Nach dem siebten Gang war die Spannung greifbar: Mit Samuel Giger, Werner Schlegel und Armon Orlik lagen gleich drei Nordostschweizer punktgleich an der Spitze. Eine klare Paarung für den Schlussgang gab es nicht. Als die Einteilungskommission schliesslich Giger und Schlegel nominierte, war Orlik zum Zuschauen verdammt.

Er nahm die Herausforderung an und entschied sein letztes Duell gegen Pirmin Reichmuth, der in Mollis seinen Rücktritt bekanntgab, mit einem Kraftakt und der Bestnote für sich.

Danach sass Orlik am Sägemehlrand, während seine Verbandskollegen im Schlussgang ein weiteres Unentschieden lieferten. In diesem Moment explodierte das Stadion: Orlik war Schwingerkönig – ohne selbst im Schlussgang gestanden zu haben.

Emotionen pur – Stimmen des Königs

Für Orlik war es die späte Genugtuung nach seiner Niederlage 2016 im Schlussgang von Estavayer gegen Matthias Glarner. Neun Jahre später klappte es nun doch. «Es war mega viel Spannung und Nervosität die letzten Tage. Ich bin jetzt einfach nur glücklich», sagte Orlik im Siegerinterview.

Er hob zugleich die Stärke seines Teilverbandes hervor: «Es war speziell, den Schlussgang zwischen zwei Verbandskollegen von aussen zu beobachten. Aber es zeigt, was der Nordostschweizer Verband in den letzten Jahren aufgebaut hat.»

Und wie geht es nun weiter? Mit einem Schmunzeln kündigte der frischgekrönte König an: «Heute Abend wird sicher noch reichlich Alkohol fliessen.»

Historische Dimension

Mit Orliks Triumph endete für die Nordostschweizer eine 18-jährige Durststrecke ohne König. Noch nie zuvor hatte ein Schwinger den Königstitel ohne Schlussgang errungen – ein Novum, das Orliks Name unauslöschlich in die Schwinggeschichte schreibt.

Seine beiden Konkurrenten Giger und Schlegel erwiesen sich als faire Sportsmänner: Gemeinsam hoben sie den Sieger auf die Schultern und liessen sich von den frenetischen Fans feiern.

Diskussionen um Kampfrichterentscheide

Das Fest bot allerdings nicht nur Höhepunkte, sondern auch reichlich Diskussionsstoff. Strittige Kampfrichterentscheide sorgten für Ärger. So haderte etwa Fabian Staudenmann nach dem 7. Gang mit einer unklaren Notengebung und verpasste dadurch den Schlussgang. Auch Joel Wicki und Werner Schlegel sahen sich von Entscheidungen benachteiligt.

Orliks Weg zum Königstitel – alle Gänge im Überblick
  • 1. Gang: Sieg gegen Matthias Aeschbacher – schneller Erfolg nach weniger als einer Minute, Nachdrücken am Boden.
  • 2. Gang: Sieg gegen Roman Wandeler – Orlik präpariert seinen Gegner am Boden und holt sich die 10.
  • 3. Gang: Sieg gegen Lars Voggensperger – trotz Gegenwehr drückt Orlik erfolgreich nach.
  • 4. Gang: Gestellt gegen König Joel Wicki – taktisch geprägter Kampf, beide ohne entscheidenden Vorteil.
  • 5. Gang: Sieg gegen Steven Moser – Blitzsieg in wenigen Sekunden.
  • 6. Gang: Sieg gegen Matthias Herger – wilder Kampf, den Orlik mit Nachsetzen für sich entscheidet.
  • 7. Gang: Gestellt gegen Michael Moser – Abnützungskampf ohne Sieger.
  • 8. Gang: Sieg gegen Pirmin Reichmuth – entscheidender Triumph mit Bestnote, der ihn zum Festsieger machte.

Bündner Doppelfreude: Neukranz für Christian Biäsch

Aus Bündner Sicht gab es gleich doppelten Grund zur Freude. Nebst Orliks Krönung durfte auch Christian Biäsch über einen Eidgenössischen Kranz jubeln – seinen ersten. Er klassierte sich mit 74.75 Punkten in den Kranzrängen und überzeugte mit einer starken Leistung.

Resultate von Christian Biäsch
  • Gang: Niederlage gegen Florian Gnägi (8.75)
  • Gang: Sieg gegen Ivan Felder (10.00)
  • Gang: Sieg gegen Roger Erb (10.00)
  • Gang: Sieg gegen Patrick Gobeli (9.75)
  • Gang: Gestellt gegen Michael Moser (8.50)
  • Gang: Niederlage gegen Melchior Huber (9.00)
  • Gang: Sieg gegen Elias Lüscher (10.00)
  • Gang: Niederlage gegen Luca Müller (8.75)

 

Die 74.75 Punkte reichten Biäsch nach einer starken Saison zum erstmaligen Kranzgewinn an einem Eidgenössischen. Für die weiteren Bündner Niklas Lötscher (Untervaz) und Marc Jörger (Domat/Ems) war das Fest nach vier Gängen am Samstag zu Ende, Josias Müller aus Zillis schied nach sechs Durchgängen aus.

 

(Bilder: SRF)