Der HC Davos liegt in der Halbfinalserie gegen die ZSC Lions mit 1:2 hinten. Die Leistungen schwankten bisher zwischen chancenlos (Spiel 1), kämpferisch (Spiel 2) und kopflos (Spiel 3). Klar ist: Es braucht mehr – viel mehr. Zehn Faktoren, wie der HCD gegen einen zugegebenermassen starken ZSC die Serie drehen kann.
1. Disziplin – sonst ist die Serie bald vorbei
Die vielen Strafen, gerade im letzten Drittel von Spiel 3, waren ein Geschenk an den ZSC. So kann Davos kein Spiel gewinnen. Die Devise muss sein: Clever verteidigen, cool bleiben – und nicht durch Frust oder Revancheaktionen ins offene Messer laufen.
2. Mehr Ruhe im Schlussdrittel
Davos verliert zu oft den Faden, sobald ein Gegentor fällt. Der Spielverlauf in Spiel 2 (fast verspielte 3:0-Führung) und Spiel 3 (drei Gegentreffer im Schlussabschnitt) zeigt: Mentale Stärke im letzten Drittel entscheidet über Sieg oder Niederlage. Der HCD muss in der Clutch Time cool bleiben.
3. Ein starker Aeschlimann – nicht nur in Phasen
Der HCD-Goalie ist ein Leistungsträger – aber er braucht jetzt wieder Topform. Gerade gegen Malgin, Andrighetto & Co. darf es keine Unsicherheiten geben. Aeschlimann muss nicht nur solid spielen, sondern wieder zum unüberbrückbaren Rückhalt werden, wie er es gegen Zug war.
4. Explosivität in der Offensive – wie in Spiel 2
Wenn Davos Tempo macht und mit Entschlossenheit abschliesst, ist der ZSC verwundbar. Die Stürmer müssen sich mehr trauen, Abschlüsse suchen und auch mal dreckige Tore erzwingen. In Spiel 2 hat man gesehen, wie’s geht – daran gilt es anzuknüpfen.
5. Die Leader müssen vorangehen – konstant
Der HCD braucht die Leader, die das Team mitreissen. Die erfahrenen Spieler wie Matej Stransky, Filip Zadina oder Andres Ambühl müssen das Heft in die Hand nehmen und ihre Führungsqualitäten zeigen – auch in schwierigen Phasen.
6. Das Heimspiel zur Festung machen
Die Zondacrypto-Arena wird am Samstag ausverkauft sein – jetzt ist es am HCD, daraus einen Vorteil zu machen. In der Höhe, auf heimischem Eis, mit kurzen Wechseln gilt es, das eigene Haus zu verteidigen: Wenn Davos das nutzt, ist Spiel 4 eine Chance, nicht nur ein weiteres Spiel.
7. Die Fans als Faktor
Die HCD-Fans sind nicht nur leidenschaftlich – sie können ein Spiel mittragen. Die Choreos, die Lautstärke, die Atmosphäre: Das kann Momentum kreieren und das Heimteam pushen. Gerade auch bei einem Rückstand ist die Unterstützung von den Rängen Gold wert.
8. Cleveres Coaching – mit Mut zu Anpassungen
Josh Holden muss jetzt zeigen, dass er sein Team auch in einer schwierigen Situation pushen kann: In engen Playoff-Spielen sind es oft die Trainer, die den Unterschied machen. Holden braucht jetzt das richtige Gespür für die richtigen Entscheidungen – und den Mut, das richtige Mass beim Risiko zu finden.
9. Special Teams auf Augenhöhe bringen
Das Powerplay funktioniert nur phasenweise, das Boxplay ist zu oft überfordert. Gegen ein so eingespieltes Team wie Zürich muss beides funktionieren. Die Special Teams entscheiden Playoff-Serien – das war in Spiel 3 (zwei Zürcher Powerplay-Tore) offensichtlich.
10. Glauben – an sich und die Serie
Das klingt einfach, ist aber essenziell. Davos darf sich von einem 1:2 nicht entmutigen lassen. Der mitreissende Sieg in Spiel 2 hat gezeigt: Dieses Team kann grosse Emotionen wecken – und grosse Gegner schlagen. Es braucht diesen Glauben an die eigene Stärke jetzt über die vollen 60 Minuten.
Fazit
Noch ist alles offen. Der HC Davos hat die spielerische Klasse, das kämpferische Herz und das Publikum im Rücken. Aber er muss all das konstant auf das Eis bringen – und zwar ab sofort. Spiel 4 wird zur Nagelprobe: für den Charakter dieses Teams, für die Energie der Fans, für das Davoser Hockeyherz. Bei einem Sieg heissts weiter Showtime – bei einer Niederlage droht die baldige Sommerpause.
- Spiel 3: Im Schlussdrittel eingebrochen – HCD im Halbfinal wieder in Rücklage
- Spiel 2: Stransky-Knak erlösen den HCD eine Minute vor Schluss
- Spiel 3: Böse Klatsche für den HCD im ersten Halbfinal
(Bilder: Sergio Brunetti/stockpix.it)