Wenn die Calanda Broncos am Samstagabend um 18 Uhr im Stadion Obere Au in Chur auf die St. Gallen Bears treffen, wird einer besonders im Fokus stehen: Adrian Sünderhauf – Receiver, Rekordjäger, Vereinsikone.
Der Start in die neue NLA-Saison ist den Broncos mit dem 40:20-Sieg bei den Geneva Seahawks geglückt. Mit vier Touchdown-Pässen zeigte sich Quarterback Robin Sennrich treffsicher, Adrian Sünderhauf selbst trug mit einem Touchdown zum Erfolg bei. «Es ist immer schön und gut, das erste Spiel der Saison zu gewinnen», sagt er nüchtern, aber zufrieden. Trotz des gelungenen Starts bleibt er aber kritisch: «Es gab noch zu viele unvollständige Pässe. Von Seiten Receiver wie auch Quarterback gibt es noch viel Luft nach oben. Auch wenn wir ein eingespieltes Team sind, braucht es immer ein paar Spiele, bis man wieder in den Rhythmus kommt.»
Der Halbfinalgegner als Heimauftakt
Mit den St. Gallen Bears kommt am Samstag kein unbekannter Gegner nach Chur. Es ist die Neuauflage des Halbfinals aus dem Vorjahr. Eine echte Standortbestimmung für die Broncos – auch wenn Sünderhauf sich nicht zu sehr auf den Gegner konzentrieren will: «Es ist immer schwierig, so früh in der Saison einen Gegner einzuschätzen – vor allem, wenn das Team noch kein Spiel hatte.» Die Devise lautet deshalb: Fokus auf das eigene Spiel. Und natürlich: «Auch wenn das neue Stadion noch nicht eröffnet ist, freuen wir uns sehr, wieder vor unseren tollen Fans zu spielen.»

Nur noch 22 Punkte (oder vier Touchdowns) fehlen Sünderhauf, um den Allzeit-Scoring Rekord der Broncos zu knacken – gehalten von Lukas Lütscher, seinem langjährigen Weggefährten. «Es ist ein Meilenstein, der mir unglaublich viel bedeutet. Nicht nur, weil es ein bedeutsamer Rekord ist, sondern natürlich auch weil er Lukas Lütscher gehört» erklärt er. Als 14- Jähriger kam Sünderhauf in die U19, wo Lukas sein Quarterback war: «Damals habe ich zu ihm aufgeschaut.» Später spielten sie gemeinsam als Receiver – und entwickelten eine freundschaftliche Rivalität. «Wir haben uns gegenseitig gepusht, verglichen aber keiner konnte sich so richtig absetzen. Mit Lukas in der Pension und einer möglichen Ablösung auf dem ersten Platz hätte ich natürlich wieder ein Argument mehr, welches für mich als besseren Receiver spricht», sagt er mit einem Grinsen.
Motivation – mehr als nur Titel
Wer glaubt, dass ein mehrfacher Schweizer Meister und zweifacher Swiss Bowl MVP satt ist, täuscht sich. Die Motivation bei «Sündi» ist ungebrochen. «Football ist für mich nicht nur ein Sport. Ich spiele seit 18 Jahren in diesem Verein – das ist wie eine zweite Familie.» Ein Ziel hat er noch ganz oben auf seiner Liste: der CEFL-Bowl-Sieg. 2012 durfte er als Junior mit der Eurobowl-Titel-Mannschaft im Final auflaufen, aber: «Ich stand damals nur an der Seitenlinie – ein CEFL-Bowl-Sieg mit der jetzigen Mannschaft wäre etwas Historisches.»

Einfach wird die Aufgabe dieses Jahr nicht, sowohl auf europäischer wie auch auf Schweizer Ebene ist die Competition 2025 gross. «Die Schweizer Liga wird immer stärker – so soll es aber auch sein» sagt er mit Freude. «Wie alle in der der Schweizer Liga trainieren wir sehr hart und wollen uns auf dem Feld messen. Stärkere Gegner bedeuten mehr Spannung, qualitativ bessere Spiele und für alle Beteiligten und vor allem Fans mehr Unterhaltung und Spass.»
Eine neue Generation drängt nach
Neben dem US-Import Max Gray bildet Sünderhauf den Kern eines der besten Receiver-Corps der Schweiz. Doch auch die jungen Passfänger der Broncos haben sich in den letzten Jahren mehr als eindrucksvoll aufgedrängt: Celeste Conceprio, Selome Adzayi, Fabio Stukator – Namen, die man sich merken muss. «Unser Jugendprogramm trägt Früchte. Das macht mich stolz. Es wird einfacher, loszulassen, wenn man sieht, dass die Zukunft in guten Händen ist.»
Letztes Jahr als Spieler
Adrian Sünderhauf ist nicht nur auf dem Feld präsent, sondern auch im Vorstand der Broncos aktiv. «Ich versuche, die Stimme der Spieler zu vertreten», sagt er über sein Engagement. Ob das auch seine Zukunft ist? Gut möglich. Denn als Spieler hat er vor dieser Saison bereits seinen Abschied beschlossen: «Ich habe schon Ende letzter Saison intern kommuniziert, dass dies meine letzte Saison sein wird.» Mit 32 Jahren und 18 Jahren im Broncos-Trikot sei es Zeit, das Zepter weiterzugeben. Mehr Zeit für die Familie – und vielleicht auch für das Golfspiel, das, wie er schmunzelt, «noch nicht dort ist, wo ich es haben will.»

Und dann wäre da ja noch der Broncos-Scoring-Record: Vier Touchdowns müsste ‚Sündi‘ im Verlauf der Saison noch erzielen. Ob er am Samstag seinem Punktekonto weitere Zähler hinzufügt, bleibt abzuwarten. Eines ist aber sicher: Wenn Adrian Sünderhauf in der Obere Au aufläuft, dann sieht man nicht nur einen der besten Receiver der Schweizer Footballgeschichte – man sieht einen, der Football lebt, der den Sport und die Broncos-Geschichte geprägt hat. Und einer, der ihn mit Stil verlassen wird.
Das NLA-Spiel der Calanda Broncos gegen die St. Gallen Bears im Stadion Obere Au beginnt um 18 Uhr. Wer auch die nächste Broncos-Generation erstmals in dieser Saison unter die Lupe nehmen will, kommt um 14.30 Uhr in den Genuss eines Leckerbissens, wenn sich mit den Broncos und den Bears die beiden U19-Elite-Finalisten des Vorjahres bereits zum Startspiel gegenüberstehen. Tickets zum Footballtag in Chur gibts unter Eventfrog.
GRHeute ist Medienpartner der Calanda Broncos. Wer noch mehr über die Schweizer Footballszene erfahren will, dem sei der aktuelle Skype Showdown, der Schweizer Football-Videopodcast auf GRHeute, empfohlen.
(Archivbilder: Sergio Brunetti/stockpix.it)