So wird Johannes Comander ein Jahr lang gefeiert

Mit fünf Leuchttürmen feiert die Reformierte Kirche Chur in diesem Jahr 500 Jahre Reformation. Der Mann, der das alles möglich machte, hiess Johannes Comander. Er leitete 1523 die ersten Schritte zur Demokratisierung Graubündens ein. 

Die Welt vor 500 Jahren war noch ganz anders als heute. Fühlt man sich heute schon als Dinosaurier, wenn man eine Jugend ohne Handy und Social Media erlebt hat, so fühlen sich die Zustände ums Jahr 1523 wie in der Steinzeit an. Was heute auf News-Seiten als «Diskutieren Sie mit» propagiert wird, war zur Zeit von Johannes Comander Science Fiction, auf die der Pfarrer wohl im Traum nicht gekommen wäre. Johannes Comander war massgeblich an der Disputation beteiligt, was etwa dem Recht zur Diskussion entspricht. 

500 Jahre später, wo man sich manchmal wünscht, dass man nicht immer alles diskutieren müsste/könnte/wollte/sollte, wird Johannes Comander ein neues Denkmal gesetzt – nachdem etwa die Comander-Kirche in Chur weltweit die einzige ist, die seinen Namen trägt. (Zum Vergleich: Die Anzahl Galluskirchen auf Wikipedia würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.) Ein ganzes Jahr lang wird der Martin Luther Graubündens gefeiert: mit fünf sogenannten Leuchtturm-Anlässen, wie Curdin Mark, Präsident der Reformierten Kirche Chur, am Donnerstag vor den Medien in Chur mitteilte. 

  • Das Antistitium, das Pfarrhaus. Im Herzen der Churer Altstadt ist es eines der besterhaltensten Häuser und wird in diesem Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Teil der Feierlichkeiten werden zwei Bücher erscheinen: «Glaube und Bewährung» und «500 Jahre Antistitium». Sie zeigen auf, wie sich Chur seit Johannes Commander entwickelt hat.
  • Im Saal des Grossen Rates wird eine Disputation durchgeführt – eine Debatte zur Vielstimmigkeit der Reformation. Weitere ähnliche Veranstaltungen finden in der Regula Kirche statt. 
  • Das Freilichtspiel Chur (Frech) wird rund um die Comander Kirche das Theater «Comander – Glaube Wissen Macht» aufführen. «Es wird sehr lustvoll», sagte Nikolaus Schmid. «Die Themen sind universell. Wie gehen wir mit Veränderungen um?» Die Premiere findet am 20. Juli statt. Interessierte Laienschauspielerinnen und Schauspieler können sich hier melden: frech.theater.
  • Am 10. September findet bei der Comander Kirche ein grosses Comander Fest statt. Dabei erlebt auch der eigens dafür geschaffene «Groki» – Grosseltern und Kinder – seine Uraufführung. Dazu sollen Spiel und Spass die Bevölkerung zum Besuch animieren. «Es soll die Gemeinden zusammenbringen», sagte die Verantwortliche Pfarrerin Manuela Noack. 
  • Der Abschluss findet am 31. Dezember in der Martinskirche statt – mit einem Gottesdienst aller Pfarrpersonen und Chöre. 

Man könnte an dieser Stelle noch stundenlang über das Erbe des Johannes Comander schreiben – für diejenigen, die zugezogen sind, in der Schule einen Fensterplatz hatten oder sonst geschichtlich interessiert sind. Wir belassen es hier mit diesem Link: Comander2023.ch. Hier steht alles wissenswerte über den Pfarrer und das Jubiläumsjahr drin. 

(Bild: zVg)