Tourismus.Total: «Aufruf zum gegenseitigen Besuch»

In meiner letzten Kolumne habe ich versucht für den heimischen Markt eine Lanze zu brechen. Genauer gesagt, dazu aufgerufen die Krise als Chance zu sehen und im Rennen um Schweizer Gäste die Romandie nicht links liegen zu lassen. Schliesslich hat Graubünden im Grunde beste Karten sich bei Westschweizern heuer als exotisches Sommerreiseziel im eigenen Land in Erinnerung zu rufen. Und tatsächlich, die Neugier am anderen Ende der Landeskarte scheint geweckt. Wie die Rückmeldungen am Monatstreffen aller Oberengadiner Tourismusmanager jüngst bestätigten, hat das Interesse aus der Romandie offenbar nicht nur in Pontresina, sondern auch in den benachbarten Orten zugenommen. Am besten packen wir somit die Gunst der Stunde: sorgen wir dafür, dass sich auch unsere frankophonen Landsleute bei uns wohl fühlen, dass sie möglichst wiederkehren oder uns zumindest weiterempfehlen.

 

Statt nach Westen Ausschau zu halten, ermuntere ich dieses Mal nun dazu den Blick etwas gegen innen zu richten. Denn, zum Heimmarkt zählt definitiv auch Graubünden selbst. In Pontresina hat sich dies im Frühling wieder gezeigt, als ein alljährliches Naturschauspiel für mediale Aufmerksamkeit sorgte: unsere am Dorfrand grasenden Steinbockrudel bescherten uns Anfragen und Besuche aus der ganzen Schweiz sowie von Urlaubern die gerade in anderen Kantonsteilen weilten. Aber eben auch von zahlreichen Bündnerinnen und Bündnern. Dass auch die einheimische Bevölkerung zu den einflussreichen Meinungsmachern und glaubwürdigsten Graubünden-Botschaftern zählt, dürfte ein offenes Geheimnis sein. Und was, wenn wir es im Kanton der 150 Täler schaffen die damit verbundenen Chancen stärker zu kultivieren? Uns vermehrt gegenseitig zu besuchen und stolz die Vorzüge ganz Graubündens zu empfehlen, birgt durchaus Potenzial!

 

Es wäre definitiv nicht falsch, wenn wir Engadiner unseren Gästen aus eigener Erfahrung und guten Gewissens z.B. einen Ausflug in die spektakuläre Rheinschlucht ans Herz legen. Oder, dass im Norden Graubündens umgekehrt auch der Besuch der hochalpinen Südbündner Gletscherwelt wärmstens empfohlen wird. Eine Grundvoraussetzung ist hierfür allerdings, dass wir Bündnerinnen und Bündner unseren Kanton überhaupt kennen. Oder anders gesagt, dass wir uns auch untereinander willkommen heissen und unsere Regionen einander näherbringen.

 

Vielleicht schaffen wir es dadurch gar herausragende Standortvorteile vermehrt übergreifend zu verstehen und zu Nutze zu machen? Denn, eines steht fest: in herausfordernden Zeiten gilt es erst recht mit einem erinnerungswürdigen Gesamterlebnis zu punkten – wo dabei die Gemeinde-, Regionen- oder Destinationsgrenzen genau verlaufen, ist – zumindest aus Sicht des Gastes – oft ziemlich zweitrangig.

 

PS: Ideale Voraussetzungen um die Vielfalt im proklamierten «grössten Kanton der Welt» zu erkunden, schafft auch diesen Sommer unser ÖV-Angebot. Sei dies mit dem zuverlässigen Netz der Bündner Distanzen überwindenden Rhätischen Bahn sowie Buslinien, oder dank Erlebnisfahrten mit historischem Fuhrpark. Freie Fahrt zu attraktiven Konditionen geniesst man im ganzen Kanton beispielsweise mit den per Anfang Juni lancierten Allegra-Tageskarten.

(Bild: zVg)