Heroischer Kampf und eine bittere Fehlentscheidung

Was für ein Spiel, was für eine Dramatik! Die Calanda Broncos haben das Europacup-Endspiel in der Central European Football League an der Churer Ringstrasse gegen den haushohen Favoriten Swarco Raiders Tirol nach heroischem Kampf hauchdünn mit 42:46 (7:10, 7:0, 14:7, 14:29) verloren. Am Sonntag wurde ausserdem bekannt, dass ein Fehlentscheid der Schiedsrichter kurz vor Schluss massgeblichen Einfluss auf den Ausgang des Spiels hatte.

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Das Spiel begann aus Sicht der Broncos denkbar schlecht: Die Swarco Raiders retournierten den Eröffnungskickoff gleich übers ganze Feld zur sofortigen 7:0-Führung für die Gäste. Es sollte letztlich ein Spielzug mit Symbolcharakter werden, waren die Kickoff Returns der Raiders am Ende doch die besten Spielzüge der Gäste – und sie würden den Bündnern im Endspiel noch nachhaltig schaden. Die Bündner liessen sich durch den frühen Rückstand aber nicht beeindrucken: Bei seinem ersten Angriffsspielzug bediente Broncos-Quarterback Conner Manning gleich seinen Running Back Steffen Haenelt für einen grossen Raumgewinn über die Mitte, ein frühes Zeichen, dass die hochmotivierten Broncos dem klaren Favoriten einen Fight auf Augenhöhe zeigen wollten. Am Ende eines abwechslunsgreichen Drives war es letztlich Adrian Sünderhauf, der im Nachfassen einen Pass von Manning zum 7:7-Ausgleich verwertete. 

Knappe Schiri-Entscheidungen gegen die Broncos

Der Schweizer Meister hielt auch in der Folge gut mit, auch wenn die Raiders der erwartet starke Gegner waren: Nach einem langen Drive der Österreicher war es aber die Broncos Defense, die ein Ausrufezeichen setzte und mit einem Goaline Stand die Raiders zu einem Field Goal zwang. Zu Beginn des zweiten Viertels kam Calanda beim Spielstand von 10:7 für die Gäste somit zur Chance, die Führung zu übernehmen. Eine umstrittene Szene 25 Yards vor der Endzone sorgte schliesslich wieder für den Wechsel des Ballbesitzes: Broncos-Import Max Gray fing im vierten Versuch einen Pass direkt am First Down, nach längerer Besprechung entschieden die Schiedsrichter aber, dass es nicht ganz zum First Down gereicht hatte.

Die Raiders konnten vom Wettkampfglück aber nicht profitieren, die Broncos blockten nach einem langen Drive den Field-Goal-Versuch der Raiders zum grossen Jubel der 1210 Zuschauer kurz vor der Pause. Die hochdramatische Schlussphase vor der Pause war damit aber noch nicht zu Ende: In wenigen Sekunden arbeiteten sich die Bündner zielstrebig nach vorne und skorten durch einen wunderbaren Touchdown-Pass – erneut bediente Manning Adrian Sünderhauf – zur ersten Führung für die Broncos (14:10). Auch die Raiders wollten unbedingt noch vor der Pause ihren ersten Offensiv-Touchdown erzielen, arbeiteten sich ebenfalls rasch bis vor die Broncos-Endzone, scheiterten aber mit einem weiteren Field-Goal-Versuch, so dass die Broncos mit einer sensationellen 14:10-Führung in die Pause stiegen. Und dies mit der Möglichkeit, die Führung in der zweiten Halbzeit mit dem ersten Ballbesitz auszubauen.

Zwei überragende Quarterbacks

Die Broncos setzten weiterhin auf abwechslungsreiches Lauf- und Passspiel – und kamen in einem vierten Versuch zu einem weiteren Highlight: Erneut zeigte Broncos-Quarterback Manning seine überragenden Pass-Qualitäten und servierte mit einem Wahnsinnszuspiel Lukas Lütscher über 45 Yards zur 21:10-Führung für die Broncos. Die Gäste, immerhin mit dem Ruf der stärksten europäischen Mannschaft an die Ringstrasse gereist, standen nun mit einem Zwei-Touchdown-Rückstand mit dem Rücken zur Wand und mussten alles auspacken, um nochmal heranzukommen: Mit einem haarscharf komplettierten vierten Versuch hielten die Raiders ihre Angriffsserie am Leben und skorten schliesslich durch einen kurzen Lauf ihres US-Quarterbacks Sean Shelton zum 16:21-Anschlusstouchdown. Die Broncos Offense spielte aber weiterhin überragend, nach einem weiteren langen Drive war es der starke Broncos-Running Back Tino Muggwyler, der aus kurzer Distanz zum 28:17 für die Broncos erhöhte.

Die Raiders waren aber noch nicht geschlagen: Vor allem gegen die Kickoff Returns fanden die Broncos einfach kein Rezept gegen die Innsbrucker, die so immer wieder in hervorragende Feldposition kamen. Eine solche nutzten die Raiders zum erneuten Anschluss-Touchdown aus kurzer Distanz, nach der von Sean Shelton erlaufenen Two-Point-Conversion waren die Raiders zu Beginn des Schlussviertels erneut wieder hauchdünn dran (25:28). Und das letzte Quarter hatte es dann erst recht in sich und sorgte für ein Spektakel der Extraklasse – wenn auch mit traurigem Ende für die Bündner.

Der Druck lag nun wieder auf Seiten der Offense der Bündner zu punkten, und diesmal zeigte Broncos-Quarterback Manning, dass er auch laufen kann: In einem dritten Versuch holte sich der Amerikaner mit einem Lauf über 17 Yards das First Down. Und auch sein Landsmann Max Gray zeigte seine Qualitäten, zuerst mit einem spektakulären Laufspielzug, und gleich im nächsten Spielzug mit einem noch spektakuläreren Touchdown-Catch, dem vierten des Abends von Manning, zum 35:25 7:47 Minuten vor Schluss. Aber auch zu diesem Zeitpunkt war das Spiel noch lange nicht entschieden. 

Und wieder der Kickoff Return…

Denn erneut war es der sofort folgende Kickoff Return des Raiders-Amerikaners Darius Robinson, der die Broncos eiskalt duschte und die Raiders mit dem zweiten KOR-Touchdown des Abends umgehend ins Spiel zurück katapultierte. Und so wiederholte sich die Geschichte, erneut musste die Offense der Bündner die Kohlen aus dem Feuer holen. Und wieder starteten die Broncos mutig und suchten die Entscheidung: Im ersten Spielzug bediente Manning Lukas Lütscher übers halbe Spielfeld. Am Ende war es wieder ein dritter Versuch, der für Jubelstürme auf den Zuschauerrängen sorgte: Stark unter Druck warf Manning den Ball so weit er konnte, und wieder war es Gray, der unter den Ball lief und für das 42:32 sorgte. Das musste doch die Vorentscheidung sein, etwas mehr als fünf Minuten vor Schluss! Weit gefehlt: Die Broncos Defense hatte nun aber nichts mehr im Tank, nach erneut bester Feldposition verkürzten die Raiders nur wenige Spielzüge später erneut zum 39:42.

Noch waren knapp fünf Minuten zu spielen. Und wieder setzten die Broncos auf die Kombination Manning-Gray, die eine weitere 3rd-Down-Conversion spektakulär konvertierten. Die Ringstrasse kochte, und erneut war es eine hauchdünne Schiedsrichterentscheidung, die den Raiders den Ball «schenkten»: Nach einem wunderbaren Catch von Severin Murk entschieden die Schiedsrichter, der Ball sei ausserhalb des Spielfeld gefangen worden. Im europäischen Football reicht es, nach dem Passfang einen Fuss innerhalb des Spielfeldes zu platzieren.

Die Sicht und die Videos von der Tribüne gaben wegen aufspringender Fans keine genauen Aufschlüsse, ob der Ball gefangen war oder nicht. Im Beitrag von Tele Südostschweiz war aber klar ersichtlich, dass Murks Fuss deutlich innerhalb des Feldes den Boden berührte. Dies hätte den Broncos ein neues First Down mit rund 1:40 Minuten Zeit geben müssen, was faktisch den Sieg bedeutet hätte. Die Raiders hatten nur noch ein Timeout, die Bündner hätten die Zeit praktisch vollständig zum Sieg runter laufen lassen können. Ein folgenschwerer Fehlentscheid, der angesichts der guten Position beider Schiedsrichter nicht passieren sollte. Aber wie man oft im Sport sieht: Selbst für erfahrene Refs sind solche Entscheide innert Hundertstelsekunden nicht einfach (in den USA wäre der Call mit einer Videoentscheidung korrigiert worden) – was für die Broncos natürlich ein schwacher Trost ist, kostete sie dieser doch den CEFL-Titel.

 

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Durch den Fehlentscheid der Schiedsrichter kamen die Raiders 96 Sekunden vor Schluss nochmals in Ballbesitz. Die Broncos hätten es also noch in der Hand gehabt, den Sieg zu sichern: Immerhin mussten die Raiders 95 Yards in eineinhalb Minuten zurücklegen. Und tatsächlich schafften es die Gäste, mit einem Touchdown-Pass über die Mitte rissen die Österreicher die Führung bereits 51 Sekunden vor Spiel-Ende wieder an sich (46:42). Bei den Broncos lamentierte niemand über die Schiedsrichter-Entscheidung, wenn man sich im Nachhinein die Bilder ansieht, ist die Niederlage aber umso brutaler. 

Eine einzige Chance blieb den Broncos in der Schlussminute noch – und auch diese verpassten die Bündner nur um Zentimeter. Die Offense der Bündner arbeitete sich in wenigen Spielzügen bis an die 34-Yard-Linie, ehe ein Passversuch auf Lukas Lütscher in die Endzone erneut nur haarscharf Out of Bounds gefangen wurde. Nur Zentimeter fehlten am Ende zum Europacup-Sieg. So setzten sich die Raiders glücklich und  knapp mit 46:42 durch. Für die Broncos, die an diesem Abend ausser im Kickoff Team nicht das schlechtere Team waren, ein brutales Ende nach einem heroischen Kampf. 

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(Bilder: GRHeute)