Eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit zwei Bündner Medaillen

Samstagvormittag, mitten im schmucken Walliser Städtchen Martigny. 200 Meter vom Amphitheater entfernt, wo sich vor 1800 Jahren die Römer nach Überquerung der Alpen jeweils vergnügt haben, sorgen über 500 junge Frauen, Mädchen, Männer und Jungs für Unterhaltung des 21. Jahrhunderts. Die Schweizer Cheerleading-Meisterschaften stehen auf dem Programm, mit den Broncos Cheerleaders sind auch Bündnerinnen und Bündner dabei. Letztes Jahr konnten die Junioren (12-16-Jährige) gar den Schweizer Meistertitel erringen – und so waren die rund 50 mitgereisten Bündner Fans natürlich gespannt, ob es auch in diesem Jahr Medaillen geben würde. Die Konkurrenz aus den Städten ist gross, vor allem die Cheerleaders des FC St. Gallen sind als Serienmeister in allen Kategorien Branchenprimus. Einst war Cheerleading als Sportart der Footballer in den USA entstanden, heute hat sich Cheerleading als eigenständige Sportart etabliert. Das Klischee der «Sport-Groupies» wird zwar immer noch von Hollywood befeuert und ist in vielen Köpfen präsent. Wer sich eine der Shows mal zu Gemüte führt, merkt aber schnell, dass es hier um was ganz anderes geht: eine vielseitige Sportart irgendwo zwischen Akrobatik, Bodenturnen und Tanz. Viele Athleten und Athletinnen waren früher aktiv in einem Turnverein. «Ich wollte einen richtigen Teamsport ausüben, in einer modernen Sportart, die vielseitiger ist als beispielsweise ’nur› Tanzen», so eine der Teenagerinnen der Broncos Cheerleaders. Ein kreatives Programm und hartes Training mit unzähligen Wiederholungen sind Voraussetzung, um auch in der Schweiz in der Randsportart vorne mitzuspielen. 

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Kurz vor Mittag gehts los: Die Teams werden in einer Eröffnungszeremonie auf die Cheer-Matte geführt, über 1000 Zuschauer in der rappelvollen Midi-Halle harren des Spektakels, das da kommen werde. Ein Wermutstropfen aus Bündner Sicht: Wegen zahlreicher Verletzungen muss das Seniors-Team forfait erklären. Zeitlich wäre es nach den Ausfällen schlicht nicht mehr dringelegen, das Programm wettkampfgerecht einzustudieren, sagt Präsidentin Brenda Gruber zähneknirschend. So lagen die Bündner Hoffnungen in Martigny auf den Juniors und auf den Peewees. Die kleinsten Broncos Cheerleaders – alle zwischen 8 und 12 Jahre alt – wurden im Vorjahr Fünfte und gewannen im März überraschend den ersten in Chur ausgetragenen Mountain Cup. Doch die Konkurrenz ist gross, 12 Equipen mit jeweils rund 16 Aktiven wollen in der Kategorie der Kleinsten an die Medaillen.

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Die Organisation der Schweizer Meisterschaften ist zu Beginn in der allgemeinen Hektik überfordert: Der Wettkampf wird zu früh gestartet, und nach zwei Gruppen kommt es bereits zu einer ersten Pause. Die Broncos Red Revolution, das eine von zwei Junior-Group-Stunt-Teams der Bündner, ist ein Opfer der hastigen Vorbereitung und muss zudem der Nervösität Tribut zollen. Schon kurze Zeit später steht das zweite Nachwuchsteam der Broncos auf der Matte. Die Broncos Red Explosion sind besser unterwegs und holen sich im überschaubaren Feld den dritten Rang. Fehlerfrei war ihr Auftritt aber auch nicht, wie übrigens bei fast allen Teams: Seit dem Mountaincup haben viele Equipen einen Level an Schwierigkeiten auf ihre Programme draufgepackt, nicht wenige patzern während des 2-3-minütigen Programms. Dann sind die Broncos Fillys dran: Die kleinsten Broncos zeigen eine schwierigere Routine als die meisten Konkurrenten – und kommen auch fast fehlerfrei durch. Die allgemeine Meinung ist, dass ein Podestplatz drin liegt, das Rennen hinter den Cheerleaders des FC St. Gallen aber weit offen ist. 

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Bei der Siegerehrung, bei der die Ränge jeweils von hinten bekanntgegeben werden, ist die Spannung kaum mehr zu ertragen. Nach unserer Laien-Hochrechnung kommen sieben Teams für eine Medaille in Frage. Als nur noch vier Teams übrig bleiben, halten Zuschauer und Cheerleaders die Luft an: Die Speakerin ruft die Hummingbirds, eine reine Cheerleaderequipe aus Sargans, als Viertplatzierte aus – der Jubel bei den Broncos-Fans ist grenzenlos. Die Bündner Equipe gewinnt mit dem dritten Platz die angestrebte Medaille, der Lohn für viele Stunden im Trainingsraum an der Churer Rossbodenstrasse.

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Das rund neunstündige Spektakel war wie schon am Mountaincup eine Achterbahnfahrt aus Emotionen, Musik und jubelnden, kreischenden Zuschauern. Man mag davon halten, was man will, aber Cheerleading verkörpert vieles, was junge Leute von heute im Sport suchen: Es ist anspruchsvoll, es ist actionreich, es ist laut. Mit einem Teamgeist, der über allem steht. Und dass sich die Athletinnen und Athleten nicht von stereotypen Vorverurteilungen einschüchtern lassen, zeigt, dass diese Mädchen (und Jungs) alles andere als Pom-Pom-wedelnde Barbies sind. 

 

Zu den Resultaten der Cheerleaders-Meisterschaften gehts hier.

 

(Bilder: zVg.)