Heisse Diskussionen um Hitzesommer und Klimawandel

Auch wenn der Hitzesommer letzte Nacht deutlich an Fahrt verloren hat: Auf der Erde wird es immer wärmer, das steht nicht nur wegen des aktuellen Dürresommers ausser Frage. Umstritten ist hingegen, ob der Mensch der Hauptschuldige an dieser Entwicklung ist oder ob wir einfach nur ein Spielball der Natur sind. Auch in der Wissenschaft tobt ein Kampf der Meinungen.

 

Der Klimawandel ist im Hitzesommer 2018 wieder mit voller Kraft ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückgekommen. Tatsächlich ist die Temperatur auf der Erde seit 1900 ist nachweislich um 0,8 Grad angestiegen. Viele Naturkatastrophen – wie zum Beispiel der Felssturz von Bondo im letzten Sommer – werden pauschal dem Klimawandel in die Schuhe geschoben (was sich im Fall Bondo nicht bewahrheitete). Nun mehren sich aber die Stimmen, die behaupten, der Mensch sei nur am Rande für die Erderwärmung verantwortlich, Klimawandel sei natürlich und habe es schon immer gegeben. «Die vom Menschen verursachten Treibhausgase spielen allenfalls eine minimale Rolle für das Klima», behauptet der US-amerikanische Physiker Fred Singer, einer der grössten Skeptiker des «menschgemachten Klimawandels», gegenüber n-tv. Viel entscheidender als der Mensch seien natürliche Einflüsse wie die Aktivität der Sonne, sagt auch Horst Malberg, ehemaliger Professor für Meteorologie an der Freien Universität Berlin, der einen «dominierenden solaren Einfluss auf den Klimawandel» ausgemacht hat, in dem er einen Zusammenhang zwischen Sonnenflecken und Temperatur auf der Erde herstellt. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf hingegen widerspricht dieser Theorie vehement und wirft den Forscherkollegen vor, die entsprechenden Studien hätten mit einem statistischen Trick gearbeitet. Rahmstorf hat Verstärkung, das überwältigende Gros der Wissenschaftl steht hinter der These, dass hauptsächlich der Mensch die Klimaveränderung verursache. Rund 2000 Wissenschaftler des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) unterstützen diese Theorie beispielsweise im Weltklimarat. Die «Klimawandel-Leugner» hingegen werfen den Wissenschaftlern vor, kritische Meinungen würden mundtot gemacht. 

«DÜRRESOMMER 2018 ALS MAHNMAL DER KLIMAÄNDERUNG»

In einer Umfrage von 20 Minuten, bei der gestern über 11’000 Personen teilnahmen, glauben 56%, dass die Schweiz mehr für den Klimaschutz tun müsse, 19% halten den Klimawandel für ein Märchen und 22% sind der Meinung, die Schweiz mache schon genug. «Was eigentlich besonders einem Wissenschaftler klar sein sollte, ist, dass die Schweiz überhaupt keinen Einfluss hat. Klar ist es gut, wenn wir versuchen, die Umwelt zu schützen. Aber wir sollten uns hier in der Schweiz nicht zu sehr einschränken, nur um ‹Klimaschutz› zu betreiben. Es ist doch so, dass eine einzige Grossstadt in Indien mehr als doppelt so viel Luftverschmutzung produziert wie die ganze Schweiz und das Liechtenstein zusammen», meint ein User in einem Kommentar. Die Meinungen gehen naturgemäss auseinander: «Also, wer es jetzt, nach der Dürre und der Hitze, nicht kapiert, dass wir auf eine massive globale Katastrophe zu steuern, ja, dem ist glaubs wirklich nicht mehr zu helfen», befürchtet ein anderer Kommentar-Schreiber. Klima-Experte Martin Grosjean ist im Interview mit 20 Minuten frustriert: «Vor allem, weil die wissenschaftlichen Fakten, die die Grundlagen für das politische Handeln liefern sollten, längst auf dem Tisch liegen. Doch leider säen verschiedene Interessengruppen bewusst Zweifel an der wissenschaftlichen Evidenz. So ist es schwierig, die Menschen aus ihrer Scheinwelt zu holen, in der es sich bequem lebt.» 

Meteo Schweiz fasst den Dürresommer zusammen: «Der diesjährige Sommer präsentiert sich in weiten Teilen Europas sonnig, staubtrocken und heiss. In Mittel- und Nordeuropa gehört der Juli 2018 zu den heissesten und trockensten Monaten in der gesamten Messhistorie. In Zürich war er zusammen mit dem Juli 1994 der viertwärmste Juli und der sechstheisseste Monat überhaupt seit 1864.»

«ES GEHT AUCH WIEDER UM GELD»

Was steckt dahinter? Es geht natürlich nicht nur um das unumstösslich unanfechtbare Killerargument «Überleben des Planeten», sondern wie immer auch um Geld. Die einen werfen den andern vor, sie seien von wirtschaftlichen Lobbys gesteuert, diese hingegen beschuldigen die Klima-Mahner, die Motivation ihrer Klima-Hysterie sei, massive öffentliche Fördergelder für ihre Studien und Subventionen zu erschleichen. «Seit 1998 gibt es keine Klimaerwärmung mehr. Warum haben Wissenschaftler kein Interesse, dies zu erfahren? Weil es dann kein Geld mehr vom grossen Kuchen (15 Mrd Dollar) gibt?», fragt ein User auf 20 Minuten. Ein anderer glaubt zwar an die Erwärmung, nicht aber daran, dass der Mensch überhaupt einen Einfluss habe: «Wir alle sehen den Klimawandel. Aber nur ein paar Fanatiker glauben, dass die Menschheit diesen aufhalten oder nachhaltig beeinflussen kann. Niemand konnte die Eiszeit beeinflussen, da werden wir es auch diesmal nicht schaffen.»
 
Und wo liegt nun die Wahrheit? Was soll man glauben? Die Erderwärmung mit allen möglichen Folgen ist sicher real. Für Graubünden wird der Wandel beispielsweise im Tourismus erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Dass die Menschen durch die CO2-Emissionen zum Klimawandel beitragen, steht auch fest. Die Frage ist, wie gross unser Anteil ist und was wir tun können und sollten.

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Was meinen Sie zur Frage, ob der Klimawandel real ist oder bloss eine «wissenschaftliche Erfindung»? Und welche «Schuld» tragen die Menschen daran? Welche Folgen hat die Klimaveränderung für Graubünden? Diskutieren Sie mit im entsprechenden Beitrag auf Facebook.

 

(Bild: Der Dürresommer 2018 wird auf Satellitenbilder sichtbar/zVg./ESA.)