Tim Braillard: «Es ist brutal viel Fun»

Die Playoff-Derby-Serie zwischen Alligator Malans und Chur Unihockey (Zwischenstand 1:1) ist lanciert: In Spiel 3 treffen die beiden Bündner NLA-Ligisten heute Abend um 20 Uhr (Turnhalle Lust, Maienfeld) erneut aufeinander. GRHeute hat vor dem grossen Spiel mit dem 24-jährigen Alligator-Stürmer Tim Braillard gesprochen.

Tim Braillard, Sieg in Malans, Niederlage in Chur: Ist es die erwartete Serie für Sie?

In etwa ist es wohl, was man erwarten konnte. Spätestens nach den Qualispielen war allen klar, dass wir nicht mit 4:0 durchmarschieren würden. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es uns gegen Chur reichen müsste, wenn alle fit sind. Auch wenn wir am Sonntag verloren haben: Das Spiel hat uns eher gestärkt. Wir hätten gewonnen, wenn unser Powerplay nur einigermassen normal funktioniert hätte. 

Somit lag der Fokus in der Vorbereitung für Spiel 3 von Mittwochabend auf den Special Teams?

Selbstverständlich. Wir sind intensiv darauf eingegangen, haben viel Zeit ins Videostudium investiert. Ich glaube, wir hatten in unseren Powerplay-Szenen 13 Torschüsse ohne Treffer. Da merkt man schnell, dass es an uns Spielern lag und nicht am System. Wir müssen in diesen Situationen kaltblütig sein, da müssen drei, vier Tore reinfallen, dann läuft das Spiel ganz anders. Chur hat die Aufstellung der Box leicht geändert, darauf haben wir uns eingestellt.  

Auf dem Papier ist Alligator immer noch Favorit, auch wenn der Viertelfinal nun zu einer Best-of-5-Serie geschrumpft ist, oder?

Wenn man nur aufs Kader schaut, über drei Linien hinweg, dann sind wir vielleicht tatsächlich etwas stärker einzuschätzen. Was für Chur spricht, ist, dass sie in den beiden Qualisiegen gegen uns Selbstvertrauen getankt haben. 

TimBraillard_Saison_2016-2017

Hätten Sie die Churer so stark erwartet?

Vor der Saison hätte ich nicht geglaubt, dass wir im Viertelfinal aufeinandertreffen. Und auch später nicht, wir waren ja lange Zweiter, ehe wir kurz vor Schluss auf Platz 4 zurückgefallen sind. Das war fast wie ein kleiner Trost für uns, dass es zum Derby im Viertelfinal kam. Darüber haben wir uns gefreut, obwohl Chur sicher keine schlechte Mannschaft ist. Sie spielen eine gute Saison, sind in Form, konzentrieren sich auf ihre Stärken und fahren gute, effiziente Konter. 

Im Spiel 2 am Sonntag musstet Ihr das in Chur am eigenen Leib erleben: Nach dem Startdrittel stand es bereits 0:4…

…ja, aber die Analyse ist einfach: Zwei Tore im Powerplay, ein schneller Konter und ein Fehler. Anschliessend lief es gut. Ich würde sogar behaupten, dass wir ein solches Spiel wie am Sonntag in 9 von 10 Fällen gewinnen. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, dass wir gross was ändern müssen. Die Niederlage hat uns nicht beirrt.

Heute Abend geht es in der Sporthalle Lust wieder ab. Was ist das für ein Gefühl, vor einer vollen Halle einen Playoff-Viertelfinal gegen den Bündner Rivalen zu spielen?

Es ist brutal viel Fun. In den Playoffs ist noch etwas mehr Stimmung als sonst bei Derbys und die Spiele sind noch hitziger. Insofern hat die Niederlage von Sonntag auch etwas Gutes: Ein Playoff-Derby mehr! (lacht) Vielleicht hat das Duell Alligator-Chur nicht mehr die gleiche Rivalität wie früher, aber es ist schon immer noch sehr cool. Wiler Ersigen ist auch ein grosser Rivale für uns, aber an ein Bündner Derby gegen Chur kommt es nicht heran. Ich habe gehört, dass die Halle am Mittwochabend bereits wieder fast ausverkauft ist. Und vom Spiel 3 in einer Playoff-Serie sagt man ja, dass es wegweisend ist, insofern freuen wir uns natürlich sehr.

Sie gehören zu den Topskorern von Malans und zu einem der besten Passgeber der Liga. Verletzungshalber wurden Sie dieses Jahr aber etwas zurückgeworfen. Welches persönliche Fazit ziehen Sie bisher aus der Saison?

Die Saison hat für mich eigentlich recht gut angefangen. Ich weiss noch, wie ich mich sehr auf das Highlight «WM» gefreut habe. Dann haben leider die Oberschenkel- und Rückenprobleme begonnen und ich habe wirklich durchhalten müssen und einige Schmerzen auf mich genommen, um in Riga dabei zu sein. Ich muss zugeben, dass sich nach der WM bei mir ein kleiner ‚Knicks‘ einstellte, dass nicht mehr der letzte Wille da war, mit Schmerzen zu spielen. Ich habe ganz klar auf die Playoffs hingearbeitet. Die ersten beiden Spiele sind nun recht gut gegangen, ich habe mein Möglichstes gemacht. Es gibt aber sicher noch Luft nach oben.

Alligator braucht seine Paradelinie um Verteidiger Kevin Berry, Claudio Laely und Sie, oder?

Wir müssen sicher noch mehr bringen als zuletzt. Man darf aber nicht vergessen: Nicht nur ich, sondern auch Berry war verletzt. Und Laely angeschlagen. Ende der regulären Saison gab es Spiele, zu denen wir mit 13 Spielern gefahren sind. Aber es geht nun von Mal zu Mal besser, ich hoffe, wir können die Serie alle schmerzfrei durchspielen. 

Wie wichtig ist das?

Sehr wichtig. Wenn nur 2-3% Einsatzbereitschaft oder Sicherheit fehlen, dann färbt das auf die Leistung ab. Man denkt zwar, dass das nicht geschehen kann, dass man wieder voll da ist. Aber das passiert, wenn man angeschlagen ist. Wir brauchen diese 2-3%. Sonst wird es nicht nur schwierig gegen Chur, sonst werden sie uns schlagen. 

Und wieviel dieser 2-3% fehlt Ihnen und Ihrem Team?

Ich habe schon nicht erwartet, dass wir gerade wieder von 0 auf 100 in Topform sind. Die Basis haben wir aber gelegt, das Ziel ist nun, in der Serie wieder auf 100% zu kommen. Dann habe ich keine Zweifel daran, dass wir die Halbfinals erreichen. 

Das Bündner Unihockey-Derby lebt von Emotionen. Und man kennt sich ja aus der Region: Wie gehen Sie eigentlich mit Ihren Churer Gegnern neben dem Platz um?

Ich persönlich pflege keine ‹innigen Freundschaften› mit den Churer Spielern. Es ist aber nicht so, dass wir uns nicht ‚Hoi‘ sagen würden, wenn wir Spieler von Chur auf der Strasse sehen. Ich habe den Eindruck, dass die Churer früher auf dem Spielfeld mehr «Trash talkten». Sie bemühen sich heute mehr, sich auf das Spiel zu konzentrieren. Ich kenne ja auch einige Spieler von der Nationalmannschaft, da spielen wir ja auch im selben Team. Ich würde sagen, auf dem Spielfeld ist die Rivalität gross, daneben ist sie gesund.

 

 

(Bilder: Erwin Keller/Alligator Malans/Andreas Bass/Chur Unihockey)