Somedia baut in Chur 31 Arbeitsplätze ab

Im Februar hatte GRHeute über den «Kahlschlag bei der Somedia» berichtet und damit grossen Wirbel ausgelöst. Damals ging es um Stellen in der Redaktion. Nun ist das Druckzentrum an der Kasernenstrasse in Chur betroffen. Es wird auf Ende Jahr geschlossen, 31 Arbeitsplätze gehen Graubünden verloren.

Die Somedia druckt in Zukunft im Druckzentrum der Comprinta AG in Schwerzenbach ZH. Die Churer Medienfirma beteiligt sich am Aktienkapital der Firma und nimmt mit zwei Mitgliedern der Unternehmensleitung Einsitz im Verwaltungsrat. Sie folgt dabei bekannten Fussspuren. Schon vor zehn Jahren hatte die Somedia ihren Zeitungsdruck nach Haag SG verlegt, wo sie seither in einer von mehreren Zeitungsverlagen getragenen Druckerei produziert. Im Bereich des Kundendrucks (Akzidenzdruck) wählt die Somedia Production AG nun den gleichen Weg. Das Druckzentrum an der Kasernenstrasse wird geschlossen, in Chur gehen 31 Arbeitsplätze verloren.

Es werden Lösungen gesucht

Die Somedia betont, dass für die Mitarbeitenden Lösungen gesucht würden. «Es kommt auf keinen Fall zu 31 Entlassungen», so Somedia-CEO Andrea Masüger gegenüber der hauseigenen Südostschweiz Online, «Comprinta wird zahlreichen Mitarbeitenden der Somedia ein Stellenangebot unterbreiten und auch mit anderen Druckereien wird das Gespräch gesucht.» Er sei sehr zuversichtlich, «für den grössten Teil unserer Mitarbeitenden und vor allem auch für unsere drei Lehrlinge einen neuen Arbeitgeber zu finden». Auch Frühpensionierungen würden ins Auge gefasst.

Wie viele der Mitarbeitenden ein Angebot aus Schwerzenbach erhalten, konnte Masüger gegenüber GRHeute nicht sagen. Immerhin hat sich die Comprinta selbst dahingehend geäussert, man werde «zahlreichen Mitarbeitenden der Somedia Production ein Stellenangebot unterbreiten können.»

Keine Änderungen für die Kunden

Die Mitarbeitenden in den Bereichen Druckvorstufe, Innen- und Aussendienst sowie Marketing bleiben unverändert im Medienhaus in Chur beschäftigt. Auch für die Kunden ändert sich nichts: Die Somedia Production bietet weiterhin Print-, Video- und Web-Leistungen – nur gedruckt wird ab 2017 im Kanton Zürich.

Optimierungspotenzial gibt es offenbar auch bei den Zeitungen. Der Rückgang der regionalen redaktionellen Leistungen in der «Schweiz am Sonntag» und am Wochenende allgemein war zuletzt spürbar. Dafür wurde gestern kommunizert, dass der Abopreis der «Südostschweiz» von 396 auf 419 Franken erhöht wird.

Kommentar
Wie sich die Perspektiven von Arbeitgeber und Arbeitnehmer manchmal doch unterscheiden. «Es handelt sich nicht um einen Abbau, sondern um eine Massnahme, um unser Angebot attraktiver zu gestalten!», sagte Somedia-CEO Andrea Masüger gestern. Aus wirtschaftlicher Sicht ist es hinsichtlich der unsicheren Zukunft verständlich, dass sich der Somedia-Verlag (rechtzeitig) fit schrumpfen will. Niemand weiss, wie stark der Globalisierungssturm das Verlags- und Druckgeschäft noch weiter schädigen wird.

Ob aber die betroffenen Mitarbeiter tatsächlich erleichtert darüber sind, im vielleicht besten Fall ein Job-Angebot aus Schwerzenbach Zürich anstelle einer schnöden Entlassung vorgesetzt zu bekommen, wird sich zeigen. Positiv zu werten ist, dass die Somedia ihr Bemühen mit Nachdruck betont, Lösungen für die Betroffenen zu finden – daran wird sie sich Ende Jahr allerdings auch messen lassen müssen.

(Bild: Das Druckzentrum an der Kasernenstrasse 1, wo mittlerweile auch die Axa Winterthur «Exil» bezogen hat/Google Street View)