Eine Entschuldigung ist angebracht

Anstelle der Freitagsrubrik «Am Stammtisch» heute aus aktuellem Anlass ein Kommentar zum Stellenabbau bei der Somedia.

 

Der GRHeute-Bericht über den Stellenabbau bei der Südostschweiz hat Staub in der Schweizer Medienszene aufgewirbelt. Eine Analyse zeigt, dass das Thema im Grunde zweischichtig ist: Da ist zum einen der Stellenabbau, der gemäss Somedia-CEO 500 Stellenprozente, gemäss Aussagen von Mitarbeitenden aber zwischen 10 und 15 Stellen betragen soll. Zum andern ist es die offensichtlich mangelhafte Kommunikation innerhalb des Betriebes, die den eigentlichen Kern der Geschichte ausmachen.

Schauen wir zuerst auf den Stellenabbau: Somedia-CEO Andrea Masüger sagt, in den 500 Stellenprozenten seien alle Massnahmen wie Frühpensionierungen, Umplatzierungen, Entlassungen und Pensenreduktionen enthalten. Die Zahlen sind das eine. Die menschliche Komponente ist die andere. Ein Beispiel: Wie kann die «Südostschweiz» guten Gewissens zwei über 60-jährige Mitarbeitende, die ihr ganzes Arbeitsleben in der Firma gearbeitet und massgeblich am Aufschwung der Somedia Anteil haben, mit einem schnöden Rauswurf demütigen? Diese Dampfhammer-Methoden passen einfach nicht zu einem Medienkonzern, der selbst keine Gelegenheit auslässt, sich aufs moralische Ross zu schwingen und andere wegen unethischen Machenschaften in die Pfanne zu hauen. Im konkreten Fall gehen die Meinungen übrigens auseinander, ob es sich um Frühpensionierungen oder Entlassungen mit Abfindungen handelt. Mittlerweile hat sich Somedia-Patron Hanspeter Lebrument eingeschaltet, um mitzuhelfen, diese und andere Personalfragen zu lösen. Die Personalchefin Andrea van der Geest selbst muss nicht mehr lange Stellenprozente abbauen: Im Mai verlässt sie den Konzern.

Stellen abzubauen ist immer hässlich, und manchmal kommt eine Firma halt einfach nicht darum herum, aus wirtschaftlichen Gründen den Gürtel enger zu schnallen. Bei einer Firma, die zwischen 2012 und 2014 5,3 Millionen Franken Gewinn schrieb, ein 30 Millionen Franken teures Medienhaus baute und zuletzt jährlich rund 6 Millionen Franken aus Billag-Subventionen erhielt, tönt das zwar wie Hohn. Schlimmer ist aber, dass der grösste Teil der aktuellen Aufregung hausgemacht ist. Eine Firma mit fast 1000 Mitarbeitenden sollte in der Lage sein, intern so zu kommunizieren, dass zumindest ein gewisses Verständnis für harte Massnahmen vorhanden ist. Da rächt es sich jetzt auch, dass die Somedia vor x-Jahren aus dem Gesamtarbeitsvertrag ausgestiegen ist und die Mitarbeitenden in schwierigen Lagen arbeitsrechtlich alleine dastehen. Diesen Vorwurf müssen sich auch die Somedia-Journalisten, sonst durchaus kritische Geister, gefallen lassen. Dass sie dies mit sich machen liessen. Aber klar: Wer Journalist ist und in Graubünden leben möchte, kommt um die Somedia nicht herum – jedes Aufmucken kann in dieser Atmosphäre gleich die berufliche Existenz gefährden. Das wären dann wohl die Kollateralschäden des Medienmonopols.

Wenn Somedia-CEO Andrea Masüger nun GRHeute anklagt, wir hätten wissentlich Falschinformationen verbreitet, um ein Dementi zu erhalten, um damit zu den richtigen Informationen zu gelangen, ist das nicht nur falsch, sondern ein reichlich abstruser Vorwurf.«Don’t shoot the messenger», sagen wir dazu. Masüger sollte sich lieber fragen, warum mehrere seiner eigenen Mitarbeitenden mit diesen Informationen auf GRHeute zukommen. Und warum bei uns nach der Veröffentlichung zahlreiche Kommentare mit dem Tenor «Endlich hats mal jemand gesagt!» eingingen. Ein Blick in den Spiegel würde dem SO-CEO auf jeden Fall gut zu Gesicht stehen.

Hoffentlich nimmt die Somedia die Chance wahr, intern richtig auf diesen «Hilfeschrei» ihrer Belegschaft zu reagieren. Es kommen schwierige Zeiten auf die Verlagsbranche zu, und es wäre sicher hilfreich, die Mitarbeitenden bei der Bewältigung der Herausforderungen ins Boot zu holen.

Ein Anfang wäre beispielsweise eine Entschuldigung (und eine gute Lösung) an die Adressen der betroffenen Mitarbeitenden.

Und, wenn wir schon dabei sind, bitte auch an GRHeute.

 

(Bild: Google Streetview)