Pistole am Hosenbund – mitten in Chur

Ein Chur wurde gestern ein Mann mit einer Pistole im Hosenbund verhaftet. Reto Hartmann hat sich seine Gedanken dazu gemacht. Der Montagsblog auf GRHeute.

 

Weihnachten ist ja eigentlich eine schöne Sache. Das Fest der Liebe, Weihnachtslieder aus dem Radio, Fondue Chinoise auf dem Tisch und irgendwann über die Festtage Love Actually im TV. Angesichts der aktuellen Konflikte, der Terroranschläge und dem internationalem Säbelrasseln ist der Schein schwer aufrecht zu erhalten. Andererseits: Wollen wir uns unsere lieb gewonnene Tradition einfach so kaputt machen lassen?

Gestern war im Blick die Meldung zu lesen, dass die Polizei in Chur einen Mann verhaftet hat, der betrunken mit einer Waffe im Hosenbund herum getorkelt sei. Ein Taxifahrer hatte ihn zum Bahnhof gebracht, die Waffe bemerkt und die Polizei verständigt. Das erinnerte mich daran, dass mir vor ein paar Tagen ein Kollege gesagt hat, er überlege sich, eine Waffe anzuschaffen. Er meinte, man müsse in diesen unsicheren Zeiten doch sein Heim und seine Familie schützen können, falls mal was passiere. Er meinte wohl, falls mal ein Selbstmordattentäter oder ein Wolfsrudel an die Tür klopfen würde.

Eigentlich ist es in der Schweiz ziemlich einfach, eine Waffe zu kaufen. Aber warum sollte man das auch tun? Abgesehen von den USA ist die Schweiz eh schon das Land, in dem am meisten Waffen in den Haushalten herumliegen – naturgemäss meist aus Armeebeständen. Die Suizidrate in der Schweiz ist trotzdem – entgegen der landläufigen Meinung – im internationalen Vergleich relativ tief. Allerdings wird fast jeder zweite Selbstmord mit einer dieser Dienstwaffen ausgeübt. (Kleine Relativierung: Die folgenden Zahlen sind von 2007.)

gunsReal

Aber eigentlich sollte dieser Blog-Beitrag keine politischen Ansichten über Sinn und Unsinn von Armeewaffen im Keller kundtun, sondern die Suche nach der Sinnlichkeit der Feiertage zum Thema haben. Dass in Chur Leute mit Waffen im Hosenbund herumlaufen, passt da aber einfach schlecht ins Bild.

Aber es geht auch anders. Man muss sich nur nicht beeinflussen lassen. Am besten liest man einfach die ganze Woche keine Zeitung, besucht keine News-Websites und verzichtet aus die Maus auf Social Media. Stattdessen empfehlen wir, tagsüber jammernden Nerv-Menschen aus dem Weg zu gehen und sich abends folgendes Film-Berieselungsprogramm zu Gemüte zu führen – mit einem feinen Zimt-Apfel-Tee:

Montag, 21.12.: Love Actually (ja, gleich heute!)

Dienstag, 22.12.: Pretty Woman (gleich nochmals voll rein!)

Mittwoch, 23.12.: Bruce, Almighty (ist ja schon fast Weihnachten)

Donnerstag, 24.12.: kein Film, Gschenkli auspacken und vielleicht einen gemeinsamen Jass oder ein Gesellschaftsspiel (Fokus auf De-Eskalation)

Freitag, 25.12.: Und täglich grüsst das Murmeltier (Erleichterung)

Donnerstag, 26.12.: Big Lebowski (mit Verdauerli)

Wer dieses Programm konsequent verfolgt, keine anderen Medien konsumiert, nicht zu viel isst und sich dazwischen auch mal etwas bewegt, kommt garantiert gewalt- und sorgenfrei durch die Feiertage.

PS: Spätzünder dürfen ob der Verdrängungstaktik natürlich nicht vergessen, noch alle nötigen Geschenke zu kaufen. Ich stecke selbst noch in einem Dilemma: Der eine will Fallout-4, der andere einen Nerf mit automatischer Nachladefunktion. Ist schon ein ziemlich cooles Teil, das muss ich zugeben. Schade nur, dass die nicht so «klöpfen» wie früher die Käpsali-Pistolen. Die sind bei uns ja leider schon lange verboten.

Nerf

Der Leserschaft eine gesegnete Weihnachtswoche!

 

(Symbolbild: Pixabay)