7000 «psychisch belastete» Kinder und Jugendliche in Graubünden

Seit 35 Jahren werden in Graubünden kinder- und jugendpsychiatrische Dienste angeboten, seit 2010 unter dem Namen Kinder- und Jugendpsychiatrie KJP Graubünden. Grund zum Feiern herrscht aber nicht: Die psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen deutlich zu. In Graubünden sind rund 7000 Minderjährige betroffen.

Der Bedarf an kinder- und jugendpsychiatrischen Angeboten ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen, wie mehrere Langzeitstudien beweisen. Laut Heidi Eckrich, Chefärztin der KJP Graubünden, trifft dies auch auf Graubünden zu. Sie geht von rund 7‘000 psychisch belasteten Minderjährigen aus. Gemäss Reto Mischol, Leitender Psychologe in der KJP Graubünden, weisen 900 Minderjährige massive soziale und psychische Beeinträchtigungen auf. Gut 1‘700 sind von einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung betroffen. In der KJP Graubünden wurden im letzten Jahr über 1085 Minderjährige betreut und behandelt.

Trotz den gestiegenen Fallzahlen gibt es für Heidi Eckrich auch einen Lichtblick: «Je eher wir behandeln und je früher wir erkennen können, wo psychisch gesundes Aufwachsen gefährdet ist, desto höher sind die Erfolgschancen», so die Chefärztin der KJP Graubünden. Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil, wie verschiedene internationale Studien gezeigt haben: «Die rechtzeitige Behandlung und Therapie eines psychisch erkrankten Kindes oder Jugendlichen kommt massiv günstiger als die hohen Folgekosten einer Kindswohlgefährdung und den Spätfolgen im Erwachsenenalter», unterstreicht die Chefärztin der KJP Graubünden.

Gute Zusammenarbeit mit Partnern

Damit eine rechtzeitige Behandlung überhaupt funktioniert, braucht es die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den am Kind und Jugendlichen beteiligten Institutionen und Personen, gibt der Leitende Psychologe der KJP Graubünden, Reto Mischol, zu bedenken: «Dank intensivem und unbürokratischem Zusammenspiel mit Schulen, Sozial- und Heilpädagogischen Diensten, Ärzten, Psychotherapeutinnen/en, Kliniken und vielen weiteren Partnern, sowie mit Eltern und Betreuungspersonen, gelingt es uns, die psychisch gefährdeten Kinder und Jugendlichen so früh als möglich zu erfassen». Für Reto Mischol ist das keine Selbstverständlichkeit, umso mehr lobt er die gute Zusammenarbeit mit den zahlreichen Partnern der KJP Graubünden.

Schlanke Organisation mit Leistungsauftrag

Rico Monsch, Präsident des Stiftungsrats der KJP Graubünden, ist stolz auf «unser gut ausgebildetes und engagiertes Fachpersonal und unsere dezentrale Struktur mit Regionalstellen in Davos, Surselva, Engadin, Poschiavo und Roveredo sowie Sprechstunden in weiteren Bündner Orten. Ein weiteres Standbein stellt für Rico Monsch die Eigenständigkeit als privat-rechtliche Stiftung dar, mit einem Leistungsauftrag des Kantons.

Grundversorgung weiter vervollständigen

Grossrätin Christine Bucher-Brini, Vizepräsidentin der KJP Graubünden, ist überzeugt, «dass Kinder und Jugendliche heute seelisch und entwicklungsmässig stärker gefordert sind. Die Welt um sie herum ist schwieriger geworden, anfälliger für Risiken. Bindungen zu Familie, Gruppen, Gemeinschaften, etc. nehmen ab und Werte, welche gerade jungen Menschen Orientierung und Halt bieten, lösen sich mehr und mehr auf. Nicht alle schaffen es, sich in dieser anspruchsvollen Welt zurecht zu finden. Etliche geraten vorübergehend oder längere Zeit in Not und benötigen Hilfe und Unterstützung.» Als langjährige Gesundheitspolitikerin ist Christine Bucher-Brini überzeugt, dass eine Fachstelle wie die KJP Graubünden, in Zukunft noch unentbehrlicher sein wird.

 

Hilfe für Jugendliche, Kinder und betroffene Eltern gibt es bei der KJP Graubünden. Die Broschüre mit allen Informationen gibt es hier.
(Text: GRHeute/Medienmitteilung KJP, Bilder: Schellenursli als «Stargast» der Medienorientierung – Charly Bosshard)