Am Stammtisch

Wildmannli in der Beiz. Am Stammtisch diskutieren Marco und Gian-Luzi. Ungefähr so. 

 

Marco: «Und? Gehts etwas besser? Letzte Woche bist du ja recht auf dem Schlauch gestanden.»

Gian-Luzi: «Ja, ich gebs zu. Bin schlecht rechts gerutscht. Aber jonu, jetzt ist’s halt so.»

Marco: «Wollwoll. Was machst am Wochenende?»

Gian-Luzi: «Buah, weiss nicht, regional läuft nicht viel. Kein Hockey, kein Unihockey, kein Fussball und Ski hat auch noch nicht angefangen. Vielleicht wieder mal in den Ausgang? Oder ins Kino?»

Marco: «Es gäbe ein Derby in der 2. Liga: St. Moritz gegen Prättigau.»

Gian-Luzi: «Ich fahr doch nicht ins Engadin für einen 2. Liga-Match, spinnst du? Ausserdem ist’s am Samstagabend saukalt auf der offenen Ludains. Da kann ich ja grad so gut die Schweizer Nati am Deutschland-Cup kucken. Und das mach ich ganz sicher nicht.»

Marco: «Wir könnten an dieses Benefizkonzert ins Palazzo gehen. Da spielen fünf Bands für einen guten Zweck.»

Gian-Luzi: «Für eine Baustellen-freie Autobahn zwischen Landquart und Chur?»

Marco: «Äh, nein. Für irgendeine eine Organisation, die Menschenleben im Mittelmeer rettet. Ziemlich edel. Wär eine gute Sache.»

Gian-Luzi: «Schon, aber das macht mich auch irgendwie depressiv. Ganz so erholt habe ich mich glaub immer noch nicht. Nö, ich glaub, ich bleib zu Hause. Oder komm zu Frieda.»

Marco: «Also morgen wieder hier. Es gäbe schon noch einiges zu bereden. Wir sind letzte Woche bei Olympia stehen geblieben.»

Gian-Luzi: «Meine Antwort bleibt: Oh Mann!»

Marco: «Aber ist ja schon verrückt, dass diesmal der Wieland der Chef ist, oder? Nachdem er vor zwei Jahren so dagegen gewettert hat.»

Gian-Luzi: «Wahrscheinlich hat er auch ein eigenes Interesse daran. Geld für Graubünden, bessere Erschliessung des Kantons für seine Firma, liegt doch auf der Hand. Es geht immer nur ums Geld.»

Marco: «Naja, mehr Geld für Graubünden, bessere Erschliessung des Kantons – das tönt eigentlich ganz gut für mich.»

Gian-Luzi: «Bah, ich weiss nicht. Der ganze Trubel, überall die Fernsehkameras, die Aufregung. Helikopter wie am WEF und dann all die Bauruinen.»

Marco: «Du weisst aber schon, dass du von einer Zeitspanne von zwei Wochen während der Wintersaison in elf Jahren sprichst, oder? Es gibt ja auch ein neues Konzept, zumindest inoffiziell. Statt neue Stadien zu bauen, bleibt ein Teil des Olympia-Trosses einfach in Zürich. Easy! Es wird keine Staus und keine Bauruinen geben.»

Gian-Luzi: «Das sicher nicht. Aber nur, weil es keine olympischen Spiele geben wird. Zumindest nicht in Graubünden… Züri? Gohts no?»

Marco: «Ich frag mich, warum die ganze Wirtschaft dafür ist, wenn die Spiele so schlimm sind. Das muss ja eine ganze Horde von Deppen sein, die in unserem Kanton das Sagen haben. Zum Glück haben wir bei dieser Frage die SP – die versteht ja wirklich was von Wirtschaft! Bin gespannt, ob sie nächstes Jahr wieder mit den Totengräber-Plakaten auffährt.»

Gian-Luzi: «Nächstes Jahr? Vergiss es! So schnell geht das nie in der Politik.»

Marco: «Wer weiss… Hauptsache, diesmal sagt Graubünden an der Abstimmung ja.»

Gian-Luzi: «Das find ich aber gar nicht. Ausserdem hat das Volk vor zwei Jahren schon abgestimmt. Auch wenn sich die Dinge mittlerweile geändert haben. Ich bleibe bei meinem Nein.»

Marco: «Das werden wir noch sehen. Es bleibt ja noch etwas Zeit. (In Richtung des Wildmannli) Und was meinst du?»

 

Wildmannli überlegt kurz. Daumen hoch. Und nimmt sich vor, morgen ans Benefizkonzert ins Palazzo zu gehen.