Einmal Bündner, immer Bündner

Die 22-jährige Thusnerin Sonja Gambon studiert in Luzern Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften. In der neuen Blog-Serie «Bündner im Exil»  schreibt sie für GRHeute.

 

Wie so viele andere junge Bündner verliess ich mit Erlangen der Hochschulreife den Kanton. Ich wollte raus, mehr von der Welt sehen als Chur – wo soll’s nur hin gehen? Mit drei grossen Schwestern, je eine in Basel, Zürich und Basel war mir der Weg bereits vorgeschlagen und ich machte mich auf die Suche nach dem perfekten Örtchen. Nicht zu anonym, aber grösser als das, was ich bis jetzt kannte – ich fand mein Glück in Luzern. An einer kleinen Universität mit gut 1500 Studenten und 80’000 Einwohnern fühlte ich mich einerseits in einer Verlängerung der Kantizeit, andererseits schön anonym im Ausgang. Endlich mal neue Gesichter!

Doch schon am ersten Tag an der Uni treffe ich zwei meiner zukünftigen besten Freundinnen, und die sind, oh Wunder, aus Graubünden! Zwar aus einem anderen Tal, aber die Heimat verbindet eben. Der Bündner ist nun mal ein Herdentier, und fühlt sich in Anwesenheit von Artgenossen besonders wohl. Sowieso, den «Heimwehbündner» kennt man weit über die Kantonsgrenzen hinaus, eigentlich überall, wo es solche gibt. Ich schätze mal, die meisten in Zürich. Da ist die Dichte der romanisch Sprechenden auch am höchsten und der Weg nach Graubünden am kürzesten. Nach Zürich zu gehen, ist für den Grossteil dieser im Exil lebenden Bündner natürlich eine rein zweckrationale Entscheidung. Nie würden wir zugeben, dass Zürich, diese grosse, arrogante Stadt, auch seine lässigen Seiten hat!

Und so geht es brav jedes Wochenende, oder auch schon donnerstagabends (oder vielleicht auch erst am Freitag, weil man am Donnerstag noch an die Studiparty musste) in den Schnellzug nach Chur. Da trifft man auf bekannte Gesichter und den wohlig-warmen Dialekt, den man so schrecklich vermisst hat. Ja, wie wir unsere Heimat lieben! Die schönen Berge, die gemütliche Art, die Nebelsperrzone. Hier ist alles noch wunderbar und im Einklang mit der Natur. Kein Wunder, reisen uns alle hinterher!

Bei mir sind es nun bereits drei Jahre ausserhalb des Kantons und zeitweise auch ausserhalb des Landes. Die Freundinnen, die Liebe zur Natur, der Dialekt, der Bündner-Bonus: Sie alle sind mir treu geblieben, und auch wenn ich es nicht mehr so oft nach Hause schaffe, so freue ich mich umso mehr darauf, wenn es so weit ist. Oder in den Worten von Breitbild: As gfallt mer guat bi diar!

 

(Bild: Pixabay)